Montag, 22. Juli 2024
Montag, 22.07.24
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Magazin für modernes Leben
Ein Becher aus gelbem Emaille, aus dem Dampf emporsteigt. Bild: Daria Khoroshavina/Glasshouse Assignment
Hot oder Cold Brew

Viel Rauch um nichts?

Kalt gebrühter Kaffee gilt ja neuerdings als Immunbooster. Und weil es jetzt auch Maschinen gibt, die das können, und die vielleicht unterm Weihnachtsbaum liegen sollen, haben wir mal nachgefragt: Stimmt das mit „weniger Säure, weniger Bitterstoffe, bekömmlicher und gesünder“?
Bild: Daria Khoroshavina/Glasshouse Assignment

Was er nicht alles sein soll: besonders magenfreundlich, schokoladiges Geschmackserlebnis, Wach- und Fitmacher, Jung- und Gesundbrunnen …

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat sich das Ganze mal genauer angeschaut und anhand einer Gegenüberstellung entsprechender Inhaltstoffe in kalten („Cold Brew“ und „Cold Drip“) und heißen Kaffeeaufgussmethoden (French Press / Handaufguss) überprüft, ob dem so ist. 

Koffein

Bei allen Proben wurde mit dem Cold-Drip-Verfahren der jeweils höchste Koffeingehalt erreicht. Im Vergleich zum heißen Handaufguss betrug die Erhöhung bis zu 39 Prozent. Im Cold Brew war die Koffeinkonzentration gegenüber dem Heißaufguss in der French Press mit drei Minuten Inkubationszeit mindestens gleich bis signifikant höher (bis zu 9 Prozent).

Säure

Die Konzentration an Chlorogensäuren – ein Ester der Kaffeesäure – war in den Kaltaufgüssen im Vergleich zu den heiß zubereiteten Kaffeeaufgüssen gleich bis signifikant höher. Die Werbeaussage, dass im Kaltaufguss nur 15 Prozent der Säuren enthalten seien, konnte aufgrund der Ergebnisse der Bestimmungen der pH-Werte, Säuregrade und der Gehalte an Chlorogensäuren nicht bestätigt werden.

Sensorik

Bei der sensorischen Beurteilung zeigte sich, dass die bittere Geschmacksnote im Kaltaufguss tatsächlich weniger wahrgenommen wurde als bei stark ausgeprägter Intensität im Heißaufguss. In der Intensität des sauren Geschmacks erkannten die Tester hingegen keinen wesentlichen Unterschied. Von den drei Aromanoten fruchtig, beerenartig und schokoladenartig waren nur die beiden letztgenannten Noten deutlich stärker wahrnehmbar, wenn diese im Heißaufguss als schwach eingestuft wurden.

Fazit

Kalt zubereitete Kaffeegetränke unterscheiden sich offenbar tatsächlich im Geschmack vom traditionellen Heißgetränk, ihr Säuregehalt ist allerdings nicht geringer. Eine bessere Verträglichkeit aufgrund einer geringeren Säuremenge konnte im Labor nicht bestätigt werden. Die zahlreichen gesundheitsbezogenen Werbeversprechen sind laut LGL irreführend und deshalb nicht zulässig. 

Insofern trifft vermutlich diese Bezeichnung aus dem Netz den Kaltaufguss am ehesten: „Eiskalter Wumms“.

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