Foto: Rolex/Gabriel Monnet
Die Brücke über das Unmögliche
Ein großer, heller Therapieraum. Suzanne Edwards lenkt ihren Rollstuhl direkt an die Parallelbalken. Gurte klicken, zwei Therapeutinnen schnallen ihr den Tragegurt an. Suzanne drückt sich hoch. Sie steht. Dann, zögernd, bewegt sich ihr rechter Fuß. Ein Schritt. Ein zweiter. Sie setzt einen Fuß vor den anderen. Zum ersten Mal, nach fast 15 Jahren.
Januar 2011: Suzanne Edwards reist nach Marokko, um in einem Surf-Camp zu arbeiten. Auf einer Dachterrasse lehnt sie sich an die Brüstung. Die gibt nach, Suzanne stürzt 6 Meter in die Tiefe, auf einen Marmorboden. Als sie aufwacht, ist sie querschnittsgelähmt. Die Ärzte sagen der 22-Jährigen, dass sie niemals wieder laufen wird.

Lausanne, im Sommer 2025: Grégoire Courtine steht an der Seite des Gehbarrens, seine Hände auf dem Barren, die Augen auf Suzanne Edwards Füße gerichtet. Als Suzanne nach mehr als vierzehn Jahren vollständiger Lähmung ihre ersten Schritte macht, lächelt er: „Very nice.“ Es ist der Moment, auf den er sein ganzes Wissenschaftlerleben lang hingearbeitet hat.

„Das Aufregende an Suzannes Operation war, dass wir ein neues Stück Technologie testen konnten: Elektrodenfelder, die viel präziser alle Nervenwurzeln ansprechen, die für die Kontrolle der Beinmuskeln wichtig sind“, so Courtine vor wenigen Tagen anlässlich der Veröffentlichung seines bahnbrechenden Erfolgs. Das sei bei Suzanne entscheidend gewesen, „weil sie unsere erste Patientin ist, die vollständig gelähmt ist. Wir brauchten wirklich maximale Präzision, und die neue Technologie funktionierte hervorragend.“

Die Brücke zwischen Gedanke und Bewegung
Courtine, Neurowissenschaftler an der EPFL in Lausanne, gilt als einer der führenden Forscher seiner Generation. Gemeinsam mit der Neurochirurgin Jocelyne Bloch hat er eine „digitale Brücke“ entwickelt: ein System aus zwei Implantaten – eines im Gehirn, eines im Rückenmark –, das Gedanken in Bewegung übersetzt. Was im Kopf beginnt, endet in elektrischen Signalen, die Muskeln wieder aktivieren, die jahrelang stumm waren.

2018 gründeten Courtine und Bloch das Zentrum NeuroRestore, um diese Vision Realität werden zu lassen. Ein Jahr später erhielt Courtine den „Rolex Preis für Unternehmungsgeist”. „Das gesamte Team fühlte sich durch den Erhalt des Rolex Awards 2019 bestärkt. Die Tatsache, dass eine Expertenjury an unsere Arbeit glaubte, gab uns Energie. Wir fühlten uns ermutigt, weiterzugehen und uns noch mehr ins Unbekannte vorzuwagen.“
Die ersten Patientinnen und Patienten mit unvollständigen Rückenmarksverletzungen konnten mithilfe der digitalen Brücke bereits ihre Beine wieder kontrollieren. Doch der Fall von Suzanne Edwards war anders: ein kompletter Bruch des Rückenmarks, keinerlei Gefühl in den Beinen, keine Hoffnung. Bis jetzt.

Vom Kletterfelsen ins Labor
Courtines wissenschaftlicher Weg begann mit einem Zufall. Als junger Physikstudent war er leidenschaftlicher Kletterer. Eines Tages traf er beim Aufstieg einen Professor für Neurowissenschaften. Sie sprachen darüber, wie das Gehirn jeden Griff, jede Bewegung kontrolliert – und Courtine erkannte, dass dies die wahre Herausforderung war, die ihn fesseln würde.
Später, während seiner Promotion, reiste er nach Los Angeles, um am UCLA-Labor mit der Christopher & Dana Reeve Foundation zu forschen. Der Schauspieler Christopher Reeve (1952–2004), bekannt als Superman, war nach einem Reitunfall vom Hals abwärts gelähmt. Courtine erinnert sich noch genau an das erste Mal, als er Reeve sprechen hörte. Dem gelähmten Superman-Darsteller zuzuhören, war ein entscheidender Moment für den jungen Wissenschaftler: „Das war wirklich der Moment, in dem ich beschloss, den Rest meiner Karriere der Entwicklung von Therapien für Menschen mit Lähmungen zu widmen.“

Der Rückschlag – und die Beharrlichkeit
In den frühen Jahren hielt die Fachwelt seine Idee für unmöglich. Viele Forscher glaubten nicht daran, dass elektrische Stimulation verlorene Bewegungen zurückbringen könne. Fördergelder versiegten, Labore wurden geschlossen – doch Courtine machte weiter.
Heute gilt er als Visionär. Nicht, weil er die Medizin allein revolutioniert hätte, sondern weil er etwas tut, das seltener ist: Er gibt Hoffnung Gestalt. „Was Grégoire geleistet hat und weiterhin leistet, ist unglaublich”, sagt Suzanne Edwards. „Das Team, das er aufgebaut hat, ist unglaublich intelligent und motiviert. Alle wollen wirklich, dass dies funktioniert.“

Über die Heilung hinaus
Mit Unterstützung der Rolex Perpetual Planet Initiative wollen Courtine und Bloch ihre Technologie nun weiterentwickeln – um Tetraplegikern Bewegungen der Arme zu ermöglichen und künftig Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson zu helfen. Das Potenzial ist enorm: Millionen Betroffene weltweit könnten profitieren.
Doch für Courtine geht es um mehr als nur medizinische Funktion.
„Unsere Arbeit geht nicht nur darum, Verletzungen zu heilen“, sagt er.
„Es geht darum, menschliche Würde und Unabhängigkeit zurückzugeben.“

Perpetual Planet: Menschliche Errungenschaften fördern und feiern
Seit fast einem Jahrhundert unterstützt Rolex Forscher und Entdecker, um ihnen zu helfen, Pionierleistungen zu vollbringen.
Für Rolex-Gründer Hans Wilsdorf (1881–1960) war die Welt ein Experimentierfeld, in dem er die Zuverlässigkeit seiner Uhren unter realen Bedingungen testen konnte. Seit den 1930er-Jahren gab er seine Oyster-Perpetual-Modelle Forschern und Entdeckern mit, die unter extremen Bedingungen in die unzugänglichsten Gebiete der Erde vordrangen. Heute dienen Expeditionen weniger der Entdeckung des Planeten, sondern vielmehr dem Ziel, ihn zu schützen und zu erhalten.
Durch die Perpetual Planet Initiative steht Rolex Menschen zur Seite, die eine bessere Zukunft für alles Leben auf der Erde gestalten wollen.
Die Unterstützung, die Rolex bereits mehr als 160 Personen gewährt hat, wirkt als Initialzündung und hat in vielen Fällen das Leben ganzer Gemeinschaften verändert. Darunter sind Menschen wie die 90-jährige Ozeanographin Sylvia Earle, die ihr Leben dem Schutz der Ozeane gewidmet hat, der brasilianische Naturschützer João Campos-Silva, der im West-Amazonas erfolgreich um die Rettung des vom Aussterben bedrohten Riesenfischs Arapaima kämpft. Und Titouan Bernicot und seine Coral Gardeners, die in Polynesien und inzwischen an diversen Spots der Erde in mühevoller Unterwasserarbeit neue Korallenriffe züchten.
Darüber hinaus fördert Rolex Organisationen und Initiativen, die die nächste Generation von Forschern, Wissenschaftlern und Naturschützern ausbilden – etwa die Royal Geographical Society, den Explorers Club, die CERN & Society Foundation und die EPFL (École Polytechnique Fédérale de Lausanne).
Infos und Video
Im Video sehen Sie Suzanne Edwards‘ erste Schritte nach mehr als 14 Jahren im Rollstuhl. Grégoire Courtine blickt außerdem zurück auf die Begegnungen, die ihn als jungen Wissenschaftler inspiriert haben, sein Leben der Aufgabe zu widmen, Querschnittsgelähmten ihr Gehvermögen zurückzugeben.
Mehr über die Rolex Perpetual Planet Initiative und die Rolex Preise für Unternehmungsgeist.