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Titouan Bernicot, Gründer und CEO von Coral Gardeners in Französisch-Polynesien, inspiziert unter Wasser eine Korallenaufzuchtstation. Foto: Rolex/Tim McKenna
CORAL GARDENERS

Im Korallen-Kindergarten

Vor der polynesischen Insel Moorea arbeiten der Franzose Titouan Bernicot und seine „Coral Gardeners“ in einer Korallenaufzuchtstation an einer Methode, die Gärten der Ozeane zu retten. Rolex unterstützt die Riffschützer im Rahmen seiner Initiative Perpetual Planet.
Foto: Rolex/Tim McKenna

In den kristallklaren Gewässern vor der französisch-polynesischen Insel Moorea ist eine Gruppe von Tauchern emsig bei der Arbeit. Zunächst erkunden sie behutsam ein beschädigtes Korallenriff, um kahle Flächen zu bestimmen, an denen einst Korallen wuchsen. Anschließend holen sie neue Korallen, die in einer nahegelegenen Zuchtstation herangezogen wurden, und „kleben“ sie mit Meereszement an die Felsen. So bauen die Taucher das Riff Stück für Stück wieder auf.

Die Taucher der Coral Gardeners in Französisch-Polynesien inspizieren eine Korallenbaumschule. Das Team besucht die Aufzuchtstationen regelmäßig, um das Wachstum der Korallen zu überwachen.
Die Taucher der Coral Gardeners in Französisch-Polynesien inspizieren eine Korallenbaumschule. Das Team besucht die Aufzuchtstationen regelmäßig, um das Wachstum der Korallen zu überwachen.Foto: Rolex/Tim McKenna

Die Mitglieder der Organisation Coral Gardeners sind von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang für die Wiederherstellung von Korallenriffen im Einsatz. Mit ihrer Leidenschaft und ihrem Ehrgeiz haben sie internationale Unterstützung gewonnen, unter anderem von Rolex.

Die ursprüngliche Idee für das Korallenprojekt stammt von Titouan Bernicot. Er machte seine ersten Schritte auf einem winzigen, französisch-polynesischen Atoll namens Ahe – einer so kleinen Insel, dass sie auf den meisten Landkarten nicht einmal verzeichnet ist –, wo seine Eltern Tahiti-Perlen züchteten. In seiner frühen Kindheit schwamm er häufig mit den Haien im Riff. Als er drei Jahre alt war, zog die Familie nach Moorea. Mit einer Fläche von 134 Quadratkilometern und mehr als 16.000 Einwohnern ist diese Insel größer als Ahe und nur 17 Kilometer Luftlinie von Tahiti entfernt.

Eine Jugend auf und unter Wasser

Auf Moorea lernte Bernicot Speerfischen und Freitauchen, und so blieb sein Lebensmittelpunkt weiterhin das Meer. Mit 16 Jahren hatte er ein einschneidendes Erlebnis, als er beim Surfen mit Freunden geisterhaft weiße Korallen unter sich bemerkte. Eine solche Korallenfarbe hatte er zuvor noch nie gesehen.

So lernte er, dass es sich dabei um „gebleichte“ Korallen handelte. Jede einzelne Koralle ist ein winziges, nur wenige Millimeter großes Tier, das einen Großteil seiner Nährstoffe aus den in ihm lebenden einzelligen Algen bezieht. Diese Algen nehmen Kohlendioxid und Wasser auf und wandeln es mithilfe der Energie des Sonnenlichts in Zucker um – ähnlich wie grüne Pflanzen an Land.

Wird das Wasser jedoch beispielsweise zu warm, produzieren die Algen schädliche Chemikalien, woraufhin die Korallen sie aus ihrem Organismus ausstoßen. Infolgedessen verlieren die Korallen ihre Farbe und erscheinen gebleicht. In diesem Zustand sind sie zwar noch am Leben, jedoch sind sie anderen Belastungsfaktoren gegenüber extrem empfindlich, und viele gebleichte Korallen überleben nicht. Aufgrund der Erwärmung unseres Planeten und unserer Ozeane durch Treibhausgasemissionen tritt die Korallenbleiche immer häufiger und in größerem Umfang auf.

Als Kind des Südpazifiks weiß Titouan Bernicot, dass Korallen eine Existenzgrundlage für die Meeresökosysteme darstellen. Sie sind nicht nur für andere Organismen wie Fische wichtig, sondern auch für das Wohlergehen und den Wohlstand der auf Moorea oder an ähnlichen Orten der Welt lebenden Menschen. „Einfach alles in meinem Leben dreht sich um Korallen“, sagt er.

Unter der Anleitung eines Meeresbiologen auf Moorea lernte Bernicot, gesunde Korallen zu sammeln und neu heranzuzüchten. Gesammelte Korallenbruchstücke können in Zuchtstationen auf „Unterwassertischen“ beziehungsweise Stöcken herangezogen und anschließend wieder in die Riffe verpflanzt werden. Mit Feuereifer begann er, Korallen in das Riff hinter seinem Haus zu pflanzen. Nach einigen Monaten Studium an einer Universität in Frankreich beschloss er schließlich, nach Moorea zurückzukehren und sein Leben der Wiederherstellung von Korallenriffen zu widmen.

Traumberuf Korallengärtner

2017 gründete Bernicot die Organisation Coral Gardeners. Sein erster Mitarbeiter war sein Jugendfreund Taiano Teiho. Mit zunehmender Bekanntheit der Organisation begann das Team, mit Meeresbiologen zusammenzuarbeiten, um die angewandten Methoden zu optimieren.

„ Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass wir damit einen neuen Beruf erschaffen würden, bei dem wir uns an unserem Lieblingsort, nämlich unter Wasser, aufhalten und dabei gleichzeitig Korallen züchten und unsere Riffe schützen können.“

Titouan Bernicot, Coral Gardeners

Heute sammeln die Mitglieder regelmäßig Korallenbruchstücke und ziehen diese zwölf bis 18 Monate lang in Nurseries heran. „Man übt sich in Geduld“, sagt Bernicot. Die Korallen bedürfen einer intensiven Pflege, um zu wachsen. Dabei muss das Team sie sorgfältig vor Algenwuchs schützen und alle drei Monate ihre Entwicklung kontrollieren.

Eine ReefOS-Kamera nimmt die Umgebung der Coral-Gardeners-Gärtnerei auf und überträgt sie per Livestream. ReefOS ist ein von CG Labs entwickeltes Netzwerk von Geräten, die wertvolle Daten über die Fischpopulation, Artenvielfalt, Korallenwachstum und -bedeckung sowie die Wassertemperatur sammeln.
Titouan Bernicot und Taiano Teiho begutachten ein frisch geschnittenes Korallenstück. Es wird weiter zerlegt und in eine Korallenaufzuchtstation platziert.Foto: Rolex/Tim McKenna

Die Organisation Coral Gardeners zieht zurzeit etwa 10.000 Korallen in sechs verschiedenen, über ganz Französisch-Polynesien verteilten Unterwasser-Zuchtstationen heran und stellt für ihre Pflege Menschen aus der ganzen Welt ein. Titouan Bernicot: „Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass wir damit einen neuen Beruf erschaffen würden, bei dem wir uns an unserem Lieblingsort, nämlich unter Wasser, aufhalten und dabei gleichzeitig Korallen züchten und unsere Riffe schützen können.“

Bernicot und sein Team verwenden keine beliebigen Korallen für die Aufzucht. Sie wählen nur diejenigen aus, die unter den veränderten Umweltbedingungen die größten Überlebenschancen haben. Dies umfasst die Suche nach älteren Exemplaren, die bereits in erwärmtem beziehungsweise durch gelöstes Kohlendioxid übersäuertem Gewässer überlebt haben. Kommt es zu einer erneuten Korallenbleiche, beobachtet das Team die betroffenen Korallen, um zu ermitteln, welche am besten damit fertig werden.

Mit Blick auf die Zukunft richtete Coral Gardeners Labore (CG Labs) ein, um innovative Technologien in die Arbeit der Organisation einfließen zu lassen. In diesem Rahmen wurde zudem die KI-Plattform ReefOS entwickelt. Diese umfasst eine Reihe von Geräten, von Sensoren bis hin zu Kameras, die Daten wie Fischreichtum, Artenvielfalt, Korallenwachstum und -bewuchs sowie die Wassertemperatur erfassen.

Das Engagement des Teams erstreckt sich mittlerweile weit über Französisch-Polynesien hinaus. In den sozialen Medien erzählt die Organisation „die Geschichte des Riffs“ anhand atemberaubender Bilder und aussagekräftiger Videos, die sich innerhalb von etwas mehr als fünf Jahren über 200 Millionen Menschen angesehen haben.

Bernicots Leidenschaft treibt das Team stetig an, und die Mitglieder sind mit unvermindertem Tatendrang bei der Sache. 2023 eröffnet Coral Gardeners eine erste Korallenzuchtstation vor den Fidschi-Inseln. Darüber hinaus sind viele weitere internationale Standorte – unter anderem in Thailand, Puerto Rico und Indonesien – in Planung. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, doch wie Taiano Teiho es ausdrückt, „trägt Bernicot dieses Licht, dieses Feuer in sich. Das ist einfach mitreißend.“

Eine ReefOS-Kamera nimmt die Umgebung der Coral-Gardeners-Gärtnerei auf und überträgt sie per Livestream. ReefOS ist ein von CG Labs entwickeltes Netzwerk von Geräten, die wertvolle Daten über die Fischpopulation, Artenvielfalt, Korallenwachstum und -bedeckung sowie die Wassertemperatur sammeln.
Luftaufnahme des Coral-Gardeners-Teams in einem Korallen-Kindergarten vor der Insel Moorea in Französisch-Polynesien.Foto: Rolex/Tim McKenna

Seit 2017 schreiben die Coral Gardeners die Regeln des Naturschutzes unter Wasser neu. Sie hoffen, dass ihre innovativen Konzepte einen nachhaltigen Einfluss auf die Erhaltung der Korallenriffe und die Gesundheit der Ozeane haben.

Ihre Leidenschaft und Ambition haben internationale Unterstützung gefunden, wie die der Uhrenmarke Rolex, die bereits seit fast einem Jahrhundert Einzelpersonen und Organisationen unterstützt, die Wissenschaft und Technologie nutzen, um Umweltprobleme der Erde zu lösen. Die Coral Gardeners betrachten es als ihre Mission, den Korallenschutz weiterzuentwickeln und eine globale Bewegung zur Rettung der Weltmeere durch aktive Wiederherstellung, Bewusstseinsbildung und Innovation zu schaffen.

Über die Rolex Perpetual Planet Initiative

Für Rolex Gründer Hans Wilsdorf war die Welt ein Versuchslabor, in dem er die Zuverlässigkeit seiner Uhren unter realen Bedingungen testen konnte. Seit den 1930er-Jahren gab er seine Oyster-Perpetual-Modelle Pionieren der Erforschung und Entdeckung mit, die unter extremen Bedingungen in die unzugänglichsten Gebiete vordrangen. Doch die Welt hat sich verändert. Heute dienen Expeditionen weniger der Entdeckung unerforschter Regionen des Planeten, sondern vielmehr dem Ziel, ihn zu schützen und zu erhalten. Ganz im Sinne ihres Gründers unterstützt die Marke heute deshalb Forscher, die sich der Erhaltung des Planeten widmen.

Zu diesem Zweck hat Rolex sein Engagement mit der 2019 angelaufenen Initiative „Perpetual Planet“ verstärkt. Diese Initiative stützt sich derzeit auf eine erweiterte Partnerschaft mit der National Geographic Society zur Untersuchung der Auswirkungen des Klimawandels und auf „Mission Blue“, die Initiative der Ozeanografin und Umweltaktivistin Sylvia Earle, mit der ein Netz von Meeresschutzgebieten, sogenannten Hope Spots, eingerichtet wird. Ein weiterer Pfeiler sind die „Rolex Preise für Unternehmungsgeist“, mit denen Personen ausgezeichnet werden, deren Projekte zur Verbesserung unseres Wissens über die Welt beitragen und dem Schutz von Mensch und Umwelt dienen.

Eine ReefOS-Kamera nimmt die Umgebung der Coral-Gardeners-Gärtnerei auf und überträgt sie per Livestream. ReefOS ist ein von CG Labs entwickeltes Netzwerk von Geräten, die wertvolle Daten über die Fischpopulation, Artenvielfalt, Korallenwachstum und -bedeckung sowie die Wassertemperatur sammeln.
Eine ReefOS-Kamera nimmt die Umgebung der Baumschule-auf und überträgt sie per Livestream. ReefOS ist ein von CG Labs entwickeltes Netzwerk von Geräten, die wertvolle Daten über die Fischpopulation, Artenvielfalt, Korallenwachstum und -bedeckung sowie die Wassertemperatur sammeln. Foto: Rolex/Tim McKenna
Salomé Chauvelot, Impact Manager bei Coral Gardeners, und Titouan Bernicot, Gründer und CEO von Coral Gardeners, legen ein Seil aus zerteilten Korallen in einer Korallenbaumschule aus.
Salomé Chauvelot, Impact Manager bei Coral Gardeners, und Titouan Bernicot, Gründer und CEO von Coral Gardeners, legen ein Seil aus zerteilten Korallen in einer Korallenbaumschule aus. Foto: Rolex/Tim McKenna
Titouan Bernicot, Gründer und Geschäftsführer von Coral Gardeners, kontrolliert die Korallen in einer Baumschule in Moorea, Französisch-Polynesien.
Titouan Bernicot, Gründer und Geschäftsführer von Coral Gardeners, kontrolliert die Korallen in einer Baumschule in Moorea, Französisch-Polynesien.Foto: Rolex/Tim McKenna
Titouan Bernicot und sein Team von Korallengärtnern in Französisch-Polynesien untersuchen eine Korallenaufzuchtstation. Das Team überwacht das Wachstum der Korallenfragmente in den Gärtnereien. Wenn sie groß genug sind, werden die Korallen in nahe gelegene beschädigte Riffe eingepflanzt.
Titouan Bernicot und sein Team von Korallengärtnern in Französisch-Polynesien untersuchen eine Korallenaufzuchtstation. Das Team überwacht das Wachstum der Korallenfragmente in den Gärtnereien. Wenn sie groß genug sind, werden die Korallen in nahe gelegene beschädigte Riffe eingepflanzt. Foto: Rolex/Tim McKenna
Taiano Teiho verwendet Meereszement, um Korallenfragmente, die in der Korallenaufzuchtstation gewachsen sind, auf dem beschädigten Riff zu befestigen, während Titouan Bernicot die Details aufzeichnet, damit sie sie später überwachen können.
Taiano Teiho verwendet Meereszement, um Korallenfragmente, die in der Korallenaufzuchtstation gewachsen sind, auf dem beschädigten Riff zu befestigen, während Titouan Bernicot die Details aufzeichnet, damit sie sie später überwachen können.Foto: Rolex/Tim McKenna
Konzentrierte Arbeit unter Wasser: Salomé Chauvelot, Impact Manager bei Coral Gardeners, fotografiert ein Korallenfragment, das Titouan Bernicot hochhält, während Taiano Teiho genau aufzeichnet, woher das Fragment stammt.
Konzentrierte Arbeit unter Wasser: Salomé Chauvelot, Impact Manager bei Coral Gardeners, fotografiert ein Korallenfragment, das Titouan Bernicot hochhält, während Taiano Teiho genau aufzeichnet, woher das Fragment stammt. Foto: Rolex/Tim McKenna
Taiano Teiho, Salomé Chauvelot und Titouan Bernicot binden Korallenfragmente an ein Seil. Das Seil ist an einem Gestell in einer Korallenaufzuchtstation befestigt, die ständig überwacht und untersucht wird.
Taiano Teiho, Salomé Chauvelot und Titouan Bernicot binden Korallenfragmente an ein Seil. Das Seil ist an einem Gestell in einer Korallenaufzuchtstation befestigt, die ständig überwacht und untersucht wird.Foto: Rolex/Tim McKenna
Luftaufnahme von Cook's Bay, Moorea, Französisch-Polynesien, wo sich der Hauptsitz der Coral Gardeners befindet.
Luftaufnahme von Cook's Bay, Moorea, Französisch-Polynesien, wo sich der Hauptsitz der Coral Gardeners befindet.Foto: Rolex/Tim McKenna
Titouan Bernicot, Gründer und CEO von Coral Gardeners, arbeitet mit seinem multidisziplinären Team von mehr als 30 Mitgliedern, die sowohl in Moorea als auch anderswo auf der Welt ansässig sind.
Titouan Bernicot, Gründer und CEO von Coral Gardeners, arbeitet mit seinem multidisziplinären Team von mehr als 30 Mitgliedern, die sowohl in Moorea als auch anderswo auf der Welt ansässig sind. Foto: Rolex/Tim McKenna

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