Freitag, 23. Februar 2024
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Die jamaikanisch-amerikanische Sängerin Grace Jones tritt während des 61. FIFA-Kongresses auf. Sie feiert am 19. Mai 2023 ihren 75. Geburtstag. Foto: Alessandro Della Bella/KEYSTONE/EPA/dpa
Zum 75. von Grace Jones

„Ich habe aufgehört, Menschen zu hauen“

Sängerin, Schauspielerin, Mode-Ikone, Gesamtkunstwerk: Grace Jones tanzte mit Andy Warhol im Studio 54, schauspielerte an der Seite von Roger Moore, brachte ein Erfolgsalbum nach dem anderen heraus. Auch mit 75 will sie weiter rebellieren – wenn auch nicht mehr handgreiflich.
Foto: Alessandro Della Bella/KEYSTONE/EPA/dpa

New York (dpa) – Mindestens zwei große Festival-Auftritte wollte sich Grace Jones in diesem Jahr zum Geburtstag schenken: Ihr Auftritt beim „Something in the Water” Festival in Virginia Beach fiel wegen schlechter Wetterbedingungen leider ins Wasser.  Doch zuletzt eröffnete sie, wie immer in einer Abfolge spektakulärer Outfits, das Blue Note Jazz Festival in New York. Alter? „Mein Gott, dieses Wort benutze ich nicht. Ich nenne es Weisheit.”
Jones ist Model, Sängerin, Musikerin, Schauspielerin - Gesamtkunstwerk. Sie feierte mit Andy Warhol im berühmten New Yorker Studio 54, modelte für die „Vogue”, schauspielerte neben „James Bond” Roger Moore und brachte zahlreiche erfolgreiche Alben heraus.
Geboren wurde Jones 1948 als Grace Mendoza in dem kleinen Ort Spanish Town nahe der jamaikanischen Hauptstadt Kingston. Anfangs wurde sie hauptsächlich von ihren streng religiösen Großeltern großgezogen, dann holten ihre in den US-Bundesstaat New York ausgewanderten Eltern sie und ihre Brüder in den 1960er-Jahren nach.
Jones studierte Theater, bekam erste Film- und Fernsehrollen und schließlich auch einen Plattenvertrag. Songs wie „I Need a Man” oder „Do or Die” wurden zu Disko-Hits. Nebenbei modelte sie und wurde von Künstlern wie Andy Warhol und Keith Haring und Star-Fotografen wie Helmut Newton porträtiert.
Auch mit ihrem Temperament machte Jones Schlagzeilen. Einen britischen Talkshow-Moderator schlug sie, als er ihr den Rücken zudrehte. „Ich habe mich geändert und bin nicht mehr so ungeduldig wie ich früher einmal war”, sagt sie heute. „Ich habe aufgehört, Menschen zu hauen. Lasst uns einfach sagen, ich schlage niemanden mehr zusammen.” Zu ihren Fehlern stehe sie offen, sagt Jones. „Ich mag keine Menschen, die Dinge verstecken. Wir sind nicht perfekt, wir haben alle Dinge, die andere Menschen möglicherweise nicht sehen wollen, aber ich zeige gerne meine Fehler.”
Mehrere ihrer Beziehungen scheiterten. Am stolzesten sei sie heute auf ihren einzigen Sohn Paolo - „Songschreiber, Produzent und unglaublicher Musiker” - und auf ihre „wunderschöne” Enkeltochter, sagt Jones.
Wie lange sie ihr volles Programm noch weitermachen kann? Ein Ende sei nicht absehbar, sagt Jones. Schönheitsoperationen lehnt sie ab. „Ich lasse mich nicht aufschneiden.” Ihr Aussehen sei einfach genetisch. Und außerdem: „Ich rebelliere immer. Ich denke nicht, dass ich je aufhören werde.” Wie man sich einst an sie erinnern solle? „Erinnert euch an mich wie an den kompletten Tequila.”

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