Dienstag, 25. Juni 2024
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Magazin für modernes Leben
Model mit Diamanthalsketten in schwarzem Glitzer-Hosenanzug vor pinkfarbenem Hintergrund. Foto: Valquère
Diamanten aus dem Labor

Eine Frage der Philosophie

Echte und „lab grown“ Diamanten aus demselben Haus? Für den Antwerpener Onlinejuwelier Baunat ist daran nichts falsch.
Foto: Valquère

1797 entdeckte der englische Chemiker Smithson Tennant, dass Diamanten nichts als Kohlenstoff sind. Natürlich versuchten die Menschen sofort, künstliche Diamanten im Labor herzustellen. So richtig gelang dies allerdings erst in den 1950er-Jahren. Seitdem sind synthetische Diamanten in der Industrie weit verbreitet, als Bohrer, Wärmeleiter, Schleifpartikel und vieles mehr. Doch erst nach der Jahrtausendwende begann ihr kultureller Aufstieg in der Schmuckproduktion.

Heute sind synthetische Diamanten quasi nur noch anhand ihrer überirdischen Perfektion von jenen aus dem Bauch der Erde zu unterscheiden: die chemische Zusammensetzung identisch, die Härte identisch, das Funkeln identisch. Kein Stein, der Milliarden Jahre unter Tage verbracht hat, ist so makellos wie der aus dem Labor. Einschlüsse, Farbschwankungen und Unterschiede in der Klarheit, das gibt es nur beim natürlichen Diamanten. Wobei natürlich auch im Labor feine Imperfektionen in den Diamanten bewusst zugelassen werden können. Nur Experten mit speziellen Geräten sind überhaupt in der Lage, den Unterschied festzustellen.

Klassischer Verlobungsring: Einkarätiger laborgezüchteter Prinzess-Diamant, dazu 22 synthetische Diamanten mit insgesamt 0,12 Karat. Preis um 3.890 Euro. Das Pendant mit einem natürlichen Diamanten würde beim gleichen Ring aus Weißgold mit Palladium etwa auf 7.000 Euro kommen. Beim Zweikaräter wäre der preisliche Unterschied mit rund 7.000 versus 23.500 Euro bereits wesentlich größer.
Klassischer Verlobungsring: Einkarätiger laborgezüchteter Prinzess-Diamant, dazu 22 synthetische Diamanten mit insgesamt 0,12 Karat. Preis um 3.890 Euro. Das Pendant mit einem natürlichen Diamanten würde beim gleichen Ring aus Weißgold mit Palladium etwa auf 7.000 Euro kommen. Beim Zweikaräter wäre der preisliche Unterschied mit rund 7.000 versus 23.500 Euro bereits wesentlich größer.Foto: Valquère

Welchen Stein man vorzieht, ist eine Frage der Philosophie: den aus einer Mine 250 Kilometer unter der Erde, also das Unikat mit einer einzigartigen Geschichte und ewigem Wert? Oder den aus dem Labor, der an Klarheit kaum zu überbieten ist, aber kein Unikat und deshalb auch erschwinglicher?

Beides hat seine Daseinsberechtigung, wie Stephen Morisseau, Director of Corporate Communications beim Gemological Institute of America (GIA) die Frage kommentierte: Es liege „im Ermessen des Verbrauchers, ob er einen natürlichen oder synthetischen Diamanten kauft. Die ordnungsgemäße Offenlegung der Natur des Steins ist jedoch von größter Bedeutung.” Sprich: Die Kundin oder der Kunde muss immer wissen, ob es sich um einen „lab grown” oder um einen natürlichen Diamanten handelt.

Hier setzt die Antwerpener Baunat-Gruppe an, die neben ihrer gleichnamigen Diamantenkollektion gerade die Marke Valquère gelauncht hat. Auch eine Schmuckmarke, aber diesmal mit laborgezüchteten Diamanten. Damit beansprucht Baunat für sich, weltweit die erste Gruppe zu sein, die parallel zu einer Kollektion mit natürlichen auch eine mit Labordiamanten auf den Markt bringt.

Kannibalisierung?

„Wir haben keine Angst vor Kannibalisierung und glauben, dass die beiden Marken perfekt koexistieren können”, so Stefaan Mouradian, CEO der Baunat-Gruppe. „Jede mit ihrem eigenen Angebot und der entsprechenden Zielgruppe.”

Klassischer Verlobungsring: Einkarätiger laborgezüchteter Prinzess-Diamant, dazu 22 synthetische Diamanten mit insgesamt 0,12 Karat. Preis um 3.890 Euro. Das Pendant mit einem natürlichen Diamanten würde beim gleichen Ring aus Weißgold mit Palladium etwa auf 7.000 Euro kommen. Beim Zweikaräter wäre der preisliche Unterschied mit rund 7.000 versus 23.500 Euro bereits wesentlich größer.
Klassischer Verlobungsring: Einkarätiger laborgezüchteter Prinzess-Diamant, dazu 22 synthetische Diamanten mit insgesamt 0,12 Karat. Preis um 3.890 Euro. Das Pendant mit einem natürlichen Diamanten würde beim gleichen Ring aus Weißgold mit Palladium etwa auf 7.000 Euro kommen. Beim Zweikaräter wäre der preisliche Unterschied mit rund 7.000 versus 23.500 Euro bereits wesentlich größer.Foto: Valquère

Tatsächlich erleben laborgezüchtete Diamanten in den letzten Jahren einen regelrechten Höhenflug. Anfangs auch eher teuer, sind die synthetischen Steine mittlerweile erschwinglicher geworden und damit einer viel größeren Klientel zugänglich. Dies bestätigt Steven Boelens, Executive Director der Baunat-Gruppe: „In den USA werden im Labor gezüchtete Diamanten zunehmend zum Standard. Dort sind bereits 50 Prozent aller Verlobungsringe aus Diamanten im Labor hergestellt worden. Diamantschmuck ist für viele etwas Erstrebenswertes, jedoch haben natürliche Diamanten einen gewissen Preis. Mit dem Aufkommen der laborgezüchteten Diamanten, deren Qualität in den letzten Jahren rapide zugenommen hat, wird dieser Luxus nun auch für diejenigen verfügbar, die sich ein traditionelles Schmuckstück mit einem smarten Touch wünschen.” Mit Valquère sei es nun möglich, ein größeres Karatgewicht zu einem sehr attraktiven Preis zu erhalten oder sich für eine höhere Diamantqualität und Brillanz zu entscheiden, ohne den höheren Preis zu zahlen, den ein natürlicher Diamant dieser Art mit sich bringen würde. „Es handelt sich um eine neue Art von Luxus, gefragt bei denjenigen, die ihr Budget optimieren wollen oder etwas für kleinere Anlässe suchen”, so der Executive Director.

Ein „Smart-Luxus-Angebot”

Mit der neuen Marke will die Baunat-Gruppe europäische Handwerkskunst mit der fortschrittlichen Technologie der Labordiamanten verbinden. Die Kollektion soll sich von denen anderer Anbieter von lab grown Diamanten dadurch abheben, dass sie nur das gehobene Segment bedient. Große Diamanten, ausgefallene Formen und sogar farbige Diamanten sollen typisch für Valquère werden. Die meisten der Schmuckstücke liegen in einer Preisspanne zwischen fünfzehnhundert und viertausend Euro, wobei ein exklusives Einzelstück auch mehr als das Doppelte kosten kann. Der Schmuck wird in der E-Boutique und in den Ausstellungsräumen der Baunat-Gruppe verkauft.

Als gemeinsamen Nenner seiner beiden Marken nennt das Unternehmen das Thema Smart Luxury, wobei jede der beiden Produktlinien dieses Thema auf ihre Weise umsetzt. So biete Valquère mit seinen im Labor gezüchteten Diamanten ein Maximum an Qualität und Brillanz fürs Budget und die Diamantschmuckmarke Baunat mit ihren natürlichen Diamanten „den maximalen Investitionswert auf lange Sicht”, so Steven Boelens.

„In der Vergangenheit wurde ein Geburtstag vielleicht mit Diamantreplika wie Kristallen oder Ähnlichem gefeiert. Jetzt ist es möglich, die Qualität eines natürlichen Diamanten mit einer deutlich geringeren Investition, aber mit derselben Qualitätsgarantie zu erhalten”, sagt Steven Boelens: Die Erfahrung der Gruppe im Bereich der Anlagediamanten und des Schmucks stelle dabei sicher, dass die Produkte bereits eine umfangreiche Forschung und Entwicklung durchlaufen haben, „und dass wir nur das Beste vom Besten anbieten, denn die Kräfte hinter der Marke sind keine Neulinge auf diesem Gebiet.”

Nachhaltigkeit

Labordiamanten sind zurzeit Gegenstand zahlreicher internationaler Studien. Es geht dabei auch um die Frage: Sind synthetische Diamanten alles in allem sozial und ökologisch verantwortungsvoller und nachhaltiger als die natürliche Variante, obwohl auch die traditionelle Diamantenindustrie große Anstrengungen zur Teilhabe und Entschädigung der lokalen Bevölkerungen sowie zur Wiederherstellung der Natur unternimmt? Eine wichtige Frage, der wir demnächst noch ausführlicher auf den Grund gehen werden.

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