Foto: Vacheron Constantin
Große Kraft auf kleinstem Raum
Im chinesischen Tierkreis steht das Pferd für Bewegung. Für Energie, Aufbruch und die Fähigkeit, eigene Wege zu gehen. Menschen, die in einem Pferdejahr geboren sind, gelten als lebhaft, kontaktfreudig und unabhängig; zugleich verkörpert das Tier in der ostasiatischen Bildwelt Eleganz, Mut und eine gewisse Ungebundenheit.
Mit dem Neumond am 17. Februar beginnt das chinesische Mondjahr – und damit das Jahr des Feuerpferdes. Die Verbindung von Tierkreiszeichen und Element gilt als Sinnbild für Energie und Aufbruch: Das Pferd steht für Bewegung und Freiheit, das Feuer verstärkt diese Kräfte und verleiht ihnen besondere Intensität. In der Kunst- und Handwerkskultur Ostasiens hat das Pferd deshalb seit Jahrhunderten seinen festen Platz – von Tuschezeichnungen und Keramik bis zu Miniaturmalerei und Gravur.
Auch die Uhrmacherei greift das Motiv regelmäßig auf. Ob als Gravur, Emaille, bewegliches Anzeigeelement oder skulpturales Relief: Die Uhren zum Jahr des Pferdes zeigen, wie unterschiedlich sich ein kulturelles Symbol in Mechanik und Handwerk übersetzen lässt.
Vom Symbol zum Handwerk

Métiers-d’Art in zwei Metallen
Métiers-d’Art – Die Legende des chinesischen Tierkreises – Das Jahr des Pferdes von Vacheron Constantin setzt das Jahr des Pferdes als Métiers-d’Art-Erzählung um – und bietet das Motiv in zwei Gehäusevarianten an: 18-karätiges Roségold und 950er Platin. Auf dem Zifferblatt treffen matte Miniaturmalerei, Grand-Feu-Emaille und ein handgraviertes, emailliertes Pferd zusammen. Fels und Tier sind als Relief ausgearbeitet und wirken wie eine kleine Skulptur vor farbiger Tiefe. Beide Modelle messen 40 Millimeter und arbeiten mit dem zeigerlosen Anzeigeprinzip des Kalibers 2460 G4.

Durch den Saphirglasboden zeigt sich das automatische Manufakturkaliber 2460 G4: vier Scheiben übernehmen Stunden und Minuten sowie springende Anzeigen für Wochentag und Datum – ohne klassische Zeiger. Diese Konstruktion ist kein Selbstzweck, sondern kuratorisch gedacht: Sie räumt das Zentrum des Zifferblatts frei für Gravur und Emaille.
Die Veredelung ist entsprechend konsequent: sichtbare Brücken, eine skelettierte Schwungmasse mit Malteserkreuz-Motiv und die Genfer Punze als Qualitätszeichen. Gehäusehöhe 12,72 Millimeter, Wasserfestigkeit 3 bar. Auf 25 Exemplare pro Referenz limitiert. Preis auf Anfrage.
Das Pferd übernimmt den Antrieb

Die IWC Portugieser Automatic 42 folgt der bekannten Zifferblattarchitektur der Linie. Kleine Sekunde bei neun Uhr, Gangreserveanzeige bei drei Uhr und ein Datumsfenster bei sechs Uhr strukturieren die Anzeige. Goldfarbene Zeiger und Appliken stehen im Kontrast zum burgunderfarbenen Zifferblatt.
Das Edelstahlgehäuse misst 42,4 Millimeter im Durchmesser. Schlanke Gehäuseflanken und gewölbte Saphirgläser prägen die Silhouette. Die Gestaltung bleibt sachlich und legt den Schwerpunkt auf Proportion und Lesbarkeit.

Durch den Saphirglasboden ist das Manufakturkaliber 52011 sichtbar. Es arbeitet mit dem beidseitig wirkenden Pellaton-Aufzugssystem und erreicht eine Gangreserve von 168 Stunden, gespeist aus zwei Federhäusern.
Die Schwungmasse ist als galoppierendes Pferd ausgeführt. Das Motiv übernimmt die Funktion des Rotors und ist integraler Bestandteil des Aufzugsmechanismus. Symbolik und Konstruktion fallen hier zusammen. Die Edition zum Jahr des Pferdes ist auf 500 Exemplare limitiert. Der Preis beträgt 15.300 Euro
Emaille und Gravur als Bühne

Auf dem drehbaren Gehäuseboden der Reverso Tribute Enamel ’Horse‘ von Jaeger-LeCoultre erscheint ein von Hand graviertes Pferd, eingebettet in ein Feld aus schwarzem Grand-Feu-Emaille. Das Motiv entsteht im Atelier für Métiers Rares der Manufaktur und wird auf einer bereits emaillierten Fläche ausgeführt. Für jede Gravur werden rund 80 Stunden veranschlagt.
Das Pferd ist plastisch modelliert, einzelne Partien sind sandgestrahlt oder mit schwarzem Rhodium akzentuiert. Die Kombination aus glänzendem Emaille und fein strukturierter Metalloberfläche erzeugt eine klare Tiefenwirkung. Das Wendegehäuse der Reverso, ursprünglich als Schutz für Polospieler entwickelt, wird hier zur Trägerfläche für Kunsthandwerk.

Die Zifferblattseite greift das tiefschwarze Grand-Feu-Emaille des Gehäusebodens auf. Facettierte Indizes, ein schmaler Minutenrahmen und Dauphine-Zeiger strukturieren die Anzeige. Die Gestaltung bleibt der klaren Art-déco-Linie der Reverso verpflichtet.
Im Inneren arbeitet das Handaufzugskaliber 822 mit einer Gangreserve von 42 Stunden. Das Rotgoldgehäuse misst 45,6 mal 27,4 Millimeter bei einer Höhe von 9,73 Millimetern. Die Edition ist auf 10 Exemplare limitiert. Preis auf Anfrage.
Kraft für 10 Tage

Oris wählt für das Jahr des Pferdes keinen dekorativen Zugriff, sondern einen konstruktiven. Die limitierte Edition basiert auf dem hauseigenen Kaliber 113, einem Handaufzugswerk mit zehn Tagen Gangreserve. Charakteristisch ist die nichtlineare Anzeige bei 3 Uhr: Je näher die Energie zur Neige geht, desto feiner wird die Skalierung.
Hinzu kommt der sogenannte Business-Kalender mit Zeigerdatum, Wochentag und kleiner Sekunde. Das Pferdemotiv sitzt direkt in der Gangreserveanzeige bei 3 Uhr: Oris ergänzt die Skala um zwei Darstellungen – ein galoppierendes Pferd bei voller Spannung der Feder und ein ruhendes Pferd, wenn das Werk wieder aufgezogen werden sollte. Das 43-Millimeter-Edelstahlgehäuse rahmt diese technische Architektur sachlich ein.

Der Blick durch den Saphirboden zeigt das Kaliber 113 in seiner klar strukturierten Ausführung. Die Brücken sind funktional gehalten, die Gangreserve von zehn Tagen wird über ein einzelnes Federhaus realisiert.
Die Limitierung ist in den Gehäuseboden eingraviert. Oris beschränkt die Edition zum Jahr des Pferdes auf 88 Exemplare. Preis: circa 6.650 Euro.
Das Motiv im Rotor

Die Sonderedition zum Jahr des Pferdes basiert auf der Master Collection von Longines und kombiniert Mondphase und Datumsanzeige bei sechs Uhr mit einem roten Zifferblatt im Farbverlauf. Vergoldete Zeiger und applizierte Indizes strukturieren die Anzeige, das Edelstahlgehäuse misst 42 Millimeter im Durchmesser.
Im Inneren arbeitet das Automatikwerk L899.5 mit Siliziumspirale und einer Gangreserve von bis zu 72 Stunden. Die Gestaltung bleibt klassisch, die Farbwahl verweist auf das chinesische Neujahr, ohne die bekannte Linienführung der Kollektion zu verändern.

Durch den transparenten Gehäuseboden ist die vergoldete Schwungmasse sichtbar, auf der ein galoppierendes Pferd graviert ist. Das Motiv basiert auf einer Tuschezeichnung des chinesischen Künstlers Peon Xu und wurde für diese Edition adaptiert.
Die Gravur verbindet die symbolische Bedeutung des Pferdes im chinesischen Kalender mit der historischen Nähe der Marke zum Reitsport. Die Uhr ist weltweit auf 2026 Exemplare limitiert. Der Preis beträgt 3.100 Euro.
Kalender zwischen zwei Kulturen

Mit der Villeret Calendrier Chinois Traditionnel verbindet Blancpain seit 2012 den gregorianischen Kalender mit dem traditionellen chinesischen Lunisolarsystem. Die Anzeige umfasst Doppelstunden, Tierkreiszeichen, Elemente, Yin und Yang sowie chinesische Tage und Monate inklusive Schaltmonat. Ergänzt wird dies durch das umlaufend angezeigte gregorianische Datum und eine klassische Mondphase bei sechs Uhr.
Angetrieben wird die Uhr vom Manufakturkaliber 3638 mit 464 Komponenten und einer Gangreserve von sieben Tagen durch drei Federhäuser. Das 45,2 Millimeter große Platingehäuse trägt erstmals ein lachsrosa Grand-Feu-Emaillezifferblatt – eine Premiere für Blancpain.

Zum Jahr des Feuerpferdes 2026 widmet Blancpain dem Tier die Schwungmasse des Automatikwerks. Der Rotor aus 22-karätigem Weißgold ist von Hand graviert und zeigt ein galoppierendes Pferd über einer fliegenden Schwalbe – eine Anspielung auf Tianma, das himmlische Pferd der chinesischen Tradition. Ein Rubin sowie die chinesischen Zeichen für „Pferd“ und „Feuer“ ergänzen die Darstellung.
Das Kaliber 3638 wurde vollständig intern entwickelt und gilt als eine hochkomplexe Kalenderkonstruktion. Fünf patentierte Korrektoren sind unauffällig unter den Hörnern und im Gehäuse integriert und ermöglichen die Einstellung ohne Werkzeug. Die auf 50 Exemplare limitierte Platin-Edition kostet circa 89.000 Euro.
Carbon als Leinwand

Die Spirit of Big Bang Year of the Horse von Hublot stellt das Pferd in den Mittelpunkt des Zifferblatts. Das Motiv entsteht aus handgefertigten Carbon-Einlagen, eingefasst von goldplattierten Konturen. Schwarz und Gold bestimmen die visuelle Spannung und verleihen dem Tier eine klare grafische Präsenz. Das 42 Millimeter große Tonneaugehäuse besteht aus sogenanntem Frosted Carbon und greift die Materialität des Zifferblatts auf. Im Inneren arbeitet das Automatikkaliber MHUB1710 mit einer Gangreserve von rund 50 Stunden. Die Architektur folgt der typischen, mehrschichtig konstruierten Spirit-of-Big-Bang-Linie.

Im Detail zeigt sich die technische Ausführung der Einlegearbeit. Jedes Carbonfragment wird einzeln zugeschnitten, ausgerichtet und in das Zifferblatt eingesetzt. Die goldplattierten Applikationen erzeugen ein leichtes Relief, das je nach Lichteinfall unterschiedlich wirkt.
Die Linienführung orientiert sich an historischen Darstellungen aus der Tang-Dynastie, bleibt jedoch klar grafisch übersetzt. Das Pferd erscheint nicht naturalistisch, sondern als Zeichen – reduziert, flächig, präzise. Die Edition ist auf 88 Exemplare limitiert. Der Preis beträgt circa 37.700 Euro.
Emaille in Bewegung

Mit der Altiplano Zodiac Horse Edition verlegt Piaget das Jahr des Pferdes ebenfalls in die Sphäre der Métiers d’art. Das 41-Millimeter-Gehäuse aus Weißgold ist mit Diamanten besetzt, doch im Zentrum steht das Zifferblatt.
Dort entsteht unter den Händen von Anita Porchet eine Miniaturplastik in Emaille. Die Schweizer Künstlerin gilt als eine der renommiertesten Emailleurinnen der Gegenwart und arbeitet seit Jahrzehnten mit den großen Manufakturen der Haute Horlogerie. Für Piaget kombiniert sie Paillon- und Cloisonné-Emaille: Feine Golddrähte strukturieren die Farbzonen, mehrere Brennvorgänge verdichten Blau-, Grau- und Weißnuancen zu einer reliefartigen Darstellung.
Das Pferd scheint nicht gemalt, sondern modelliert – Muskeln, Lichtreflexe, Bewegung entstehen durch die Tiefe der Emaille und die Gravur des Untergrunds. Jedes der 18 Zifferblätter wird einzeln gefertigt.
Im Inneren arbeitet das ultraflache Handaufzugskaliber 830P mit einer Bauhöhe von 2,5 Millimetern und 60 Stunden Gangreserve. Die Altiplano bleibt damit trotz Juwelenfassung und Emaillearbeit ihrer klassischen Silhouette treu. Die Edition ist auf 18 Exemplare limitiert. Preis auf Anfrage.
Mit der Altiplano Zodiac Horse Edition verlegt Piaget das Jahr des Pferdes ebenfalls in die Sphäre der Métiers d’art. Das 41-Millimeter-Gehäuse aus Weißgold ist mit Diamanten besetzt, doch im Zentrum steht das Zifferblatt.
Das Pferd als Projektionsfläche
Die hier versammelten Uhren zeigen das Pferd nicht nur als Zeichen eines Kalenderwechsels, sondern als Projektionsfläche für unterschiedliche Disziplinen der Uhrmacherei: Gravur und Emaille bei Vacheron Constantin und Piaget, malerische Miniatur bei Jaeger-LeCoultre, poetische Mechanik bei Blancpain oder technische Interpretation bei Oris.
Gemeinsam ist ihnen der Wunsch, Bewegung sichtbar zu machen – sei es durch plastische Reliefs, durch rotierende Anzeigen oder durch Motive, die im Spiel von Licht und Material zu leben scheinen. Das Pferd steht dabei weniger für ein einzelnes Jahr als für eine Idee: für Energie, für Vorwärtsdrang und für die Verbindung von Tradition und Gegenwart.
Vielleicht liegt gerade darin der Reiz dieser Sondereditionen. Sie markieren einen Moment im Kalender – und verweisen zugleich auf das, was Uhrmacherei immer war: ein Handwerk, das Zeit nicht nur misst, sondern erzählt.