Gesucht: wilde Tiere, ruhige Hände
Seit 1995 lädt Cartier junge Uhrmacherinnen und Uhrmacher ein, ein Uhrwerk neu zu denken. Nun bekommt der Wettbewerb ein zweites Standbein. Aus dem „Prix Cartier des Talents horlogers de Demain“ wird der „Prix Cartier des Talents de Demain“, mit einem eigenen Preis für den Schmucknachwuchs. Damit stellt das Haus seine beiden Gründungsmetiers nebeneinander: die Juwelierkunst und die Uhrmacherei.
Ein Thema, zwei Aufgaben
Das Motto der ersten gemeinsamen Ausschreibung lautet „Die wilde Tierwelt der Maison Cartier“. Panther, Tiger und Krokodil begleiten das Haus seit Jahrzehnten, zuletzt in den Métiers-d’Art-Panthère-Uhren, die im Frühjahr auf der Watches & Wonders vorgestellt wurden.
Die Uhrmacher sollen das Uhrwerk 1847 MC mit einer Tierinterpretation verbinden. Die Juweliere sollen die Präsenz eines Tieres auf einer Brosche umsetzen. Wie sie das tun, bleibt ihnen überlassen. Bewertet werden technische Präzision und kreativer Wagemut, und zwar in beiden Disziplinen gleichermaßen.

Wer mitmachen kann
Der Uhrmacherpreis steht Auszubildenden und Studierenden in der Schweiz, Frankreich, Belgien und Deutschland offen. Neu dabei sind Schweden, Dänemark und Finnland. Für den Juwelierpreis können sich Nachwuchskräfte aus Frankreich, Italien und der Schweiz bewerben. Sie müssen seit mindestens zwei Jahren eine Juwelierlehre, ein entsprechendes Studium oder eine duale Ausbildung absolvieren. Deutsche Schmuckgestalter sind bei dieser Premiere also noch nicht zugelassen.
Bewerben kann man sich vom 1. Oktober bis zum 30. November 2026. Pro Disziplin wählt die Jury acht Kandidatinnen und Kandidaten aus. Sie haben drei Monate und maximal 80 Arbeitsstunden Zeit, ihr Projekt zu realisieren. Dabei begleitet sie ein Mentor oder eine Mentorin ihrer Wahl, der oder die nicht bei Cartier arbeitet. Am Ende reichen sie das fertige Stück samt Dokumentation mit Skizzen und Fotos ein. Pro Disziplin werden drei Personen ausgezeichnet, die Preisverleihung ist für das Frühjahr 2027 geplant.

Handwerk, das weitergegeben werden will
Dass Cartier Nachwuchs fördert, ist nicht neu. 1993 eröffnete das Haus das Institut Horlogerie Cartier in der Schweiz, an dem nach eigenen Angaben fast 200 Auszubildende ihren Abschluss gemacht haben. 2002 folgte das Institut Joaillerie in Paris, an dem jährlich mehr als 170 Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker geschult werden. Dort lernt man auch Techniken, für die es keine reguläre Ausbildung gibt und die von Person zu Person weitergegeben werden, etwa das Schnitzen von Tierfiguren in Wachs oder das Auffädeln von Perlen.
Ein Quereinsteiger als Finalist
Wie ein Weg in dieses Handwerk aussehen kann, berichtete uns 2025 Max Didzuhn. Er war als ein Finalist aus Hamburg unter den Besten. Der gelernte Hotelkaufmann hatte sich das Reparieren mechanischer Uhren zunächst selbst beigebracht, aus Fundsachen, die im Hotel liegen geblieben waren. Mit 32 begann er die Uhrmacherlehre. Cartier-Manufakturchef Karim Drici sagte uns damals, es gehe dem Haus nicht darum, Kandidaten anschließend einzustellen. Der Preis solle ihre Arbeit sichtbar machen und sie in ihrer Berufung bestärken.
Die Jury
Uhrmacherkunst: Roy Davidoff (Sammleruhren-Experte, Roy & Sacha Davidoff SA), Pascale Lepeu (Direktorin der Cartier Collection), Nathalie Marielloni (Konservatorin, Musée International d’Horlogerie), Pascal Ravessoud (Vizepräsident der Fondation de la Haute Horlogerie) und der freiberufliche Uhrmacher Kari Voutilainen.
Schmuckkunst: Alexa Abitbol (Leiterin der Haute Joaillerie Manufaktur Cartier), François Curiel (Christie’s Europe), Schmuckjournalist Hervé Dewintre, Mathieu Rousset-Perrier (Konservator, Musée des Arts Décoratifs) und Laurent Laroche (Leiter von Cristofol).
Infos und Bewerbung: Prix Cartier des Talents de Demain
Lesen Sie auch unsere Story Magier von morgen über die Ausgabe 2024 des Uhrmacherpreises, mit Interviews mit dem Hamburger Finalisten Max Didzuhn und Cartier-Manufakturchef Karim Drici, sowie Generation mit Genius über die Preisträgerinnen und Preisträger.