Foto: Patek Philippe
Damals gegen den Strom. Heute eine Ikone.
Eine Luxusuhr aus Edelstahl? Noch dazu groß, kantig und teurer als so manches Modell aus Gold? Was Patek Philippe 1976 präsentierte, widersprach nahezu allem, was damals als vornehm galt. Feine Uhren hatten möglichst flach und zurückhaltend zu sein, bevorzugt aus Edelmetall. Die Nautilus dagegen trug ihre Eigenwilligkeit offen zur Schau. Ihr Gehäuse erinnerte an ein Bullauge, die markanten seitlichen Ausbuchtungen an dessen Scharniere. Mit 42 Millimetern Breite war sie für damalige Verhältnisse geradezu gewaltig. Entsprechend erhielt die Referenz 3700/1A bald ihren Spitznamen: „Jumbo“.
Entworfen hatte sie Gérald Genta, der mit seiner unverwechselbaren Formensprache die Uhrengestaltung des 20. Jahrhunderts entscheidend prägte. Gemeinsam mit Philippe Stern, dem späteren Präsidenten von Patek Philippe, entstand eine Uhr für Menschen, die Luxus nicht länger ausschließlich zu festlichen Anlässen tragen wollten. Die Nautilus sollte ebenso zum Smoking wie zum Taucheranzug passen. So lautete denn auch eine der selbstbewussten Werbebotschaften der Manufaktur.

Vom Regelbruch zum Klassiker
Was zunächst polarisierte, wurde zum Erfolg. Das ungewöhnliche achteckige Gehäuse mit seinen abgerundeten Ecken, das horizontal strukturierte Zifferblatt und das nahtlos integrierte Metallarmband entwickelten sich zu unverwechselbaren Erkennungsmerkmalen. Dabei war die Form keineswegs bloße Gestaltung: Die zweiteilige Gehäusekonstruktion orientierte sich an den wasserdichten Verschlüssen klassischer Schiffsbullaugen. Die ursprüngliche Nautilus war bis 120 Meter wasserdicht – eine starke Leistung für eine vergleichsweise flache Armbanduhr jener Zeit.
Über die Jahrzehnte wuchs die Familie. 1980 erschien eine Damenversion, 1981 ein kleineres Modell. Später kamen unterschiedliche Edelmetalle und uhrmacherische Komplikationen hinzu. Zum 30. Jubiläum 2006 wurde die Kollektion behutsam überarbeitet und um einen Flyback-Chronographen erweitert. Zehn Jahre später feierte Patek Philippe den 40. Geburtstag mit zwei limitierten Sondereditionen aus Platin beziehungsweise Weißgold.

Weniger ist wieder mehr
Was die Nautilus nach fünf Jahrzehnten auszeichnet, ist jedoch weniger die Vielzahl ihrer Varianten als die Beständigkeit einer einmal gefundenen Form. Gérald Gentas Entwurf war seiner Zeit voraus, ohne sich ihr unterzuordnen.
Zum 50. Geburtstag 2026 geht Patek Philippe daher einen konsequenten Weg. Statt neuer Funktionen stehen bei drei limitierten Armbanduhren wieder die ursprünglichen Gestaltungsideen im Mittelpunkt. Stunden und Minuten – mehr braucht es nicht.
Die Referenzen 5810/1G-001 und 5810G-001 besitzen jeweils ein 41 Millimeter großes Weißgoldgehäuse. Die erste trägt ein integriertes Weißgoldarmband, die zweite ein marineblaues Armband aus einem besonders widerstandsfähigen Material mit Textilstruktur und cremefarbenen Kontrastnähten. Ihre Stundenindizes sind mit Diamanten im Baguetteschliff besetzt. Beide Modelle bewahren die ursprüngliche zweiteilige Gehäusekonstruktion.
Mit der Referenz 5610/1P-001 kehrt außerdem das mittlere Format zurück. Ihr Gehäuse aus Platin misst 38 Millimeter, das Armband besteht ebenfalls aus Platin. Ein kleiner Diamant sitzt erstmals bei einer solchen Ausführung seitlich im Scharnier auf neun Uhr – ein diskretes Erkennungszeichen des kostbaren Materials.
Allen drei Modellen gemeinsam ist ihre Schlankheit: Die Gehäuse sind lediglich 6,9 Millimeter hoch. Möglich macht das das ultraflache Automatikkaliber 240, das Patek Philippe bereits 1977 vorgestellt hat. Sein nur 2,53 Millimeter hohes Werk besitzt einen in die Werkplatte eingelassenen Minirotor aus 22-karätigem Gold. Zum Jubiläum trägt dieser die Gravur „50 1976–2026“.
Die Weißgoldversion mit Metallarmband und die Platinausführung sind auf jeweils 2000 Exemplare limitiert, das Modell mit textilem Armband auf 1000 Stück.

Eine Nautilus, die stehen bleiben darf
Die eigentliche Überraschung des Jubiläums ist eine Uhr, die man nicht tragen kann. Mit der Referenz 958G-001 überträgt Patek Philippe die Formensprache der Nautilus erstmals auf eine Tischuhr.
Das 50,65 Millimeter große Gehäuse aus Weißgold besitzt die vertraute achteckige Lünette, seitliche Ausbuchtungen und ein blaues Zifferblatt mit horizontalem Relief. Die Stundenindizes sind mit Diamanten im Baguetteschliff besetzt. Auf der Rückseite verbirgt sich unter einem aufklappbaren Deckel das Handaufzugskaliber 31-505 8J PS IRM CI J mit einer Gangreserve von mindestens acht Tagen. Neben Stunden und Minuten zeigt es unter anderem Wochentag, Datum und Gangreserve an.
Das Scharnier des Rückdeckels dient zugleich als Stütze, sodass die Uhr auf einem Schreibtisch aufgestellt werden kann. Nur 100 Exemplare werden gefertigt.
Dass ausgerechnet die einstige sportliche Provokation nun als kostbare Tischuhr erscheint, hat einen gewissen Charme. Die Nautilus, ursprünglich für einen aktiven Lebensstil geschaffen, darf nach 50 Jahren offenbar auch einmal stillstehen – zumindest auf dem Schreibtisch.
Ein halbes Jahrhundert Uhrengeschichte in Genf
Wer die Entwicklung der Nautilus nachvollziehen möchte, kann dies derzeit auch im Patek Philippe Museum in Genf tun. Eine Sonderausstellung zeichnet anhand historischer Dokumente und ausgewählter Modelle die Geschichte der Kollektion von 1976 bis heute nach. Zu sehen sind auch die vier limitierten Jubiläumseditionen. Die Ausstellung läuft voraussichtlich bis Anfang 2027.
Lesen Sie auch unseren Artikel Panorama im Maßstab der Geduld über die Patek Philippe Rare-Handcrafts-Ausstellung 2025.