Montag, 22. Juli 2024
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Magazin für modernes Leben
Frau, lange Haare, schwarzer Pulli, vor schwarzem Hintergrund stützt sich auf feuerrote Sofalehne. Foto: Assunta Waldburg
Schmuckdesignerin Desiree Sielaff

Inspiration: Lebensfreude

Desiree Sielaff gründete mitten im Lockdown mit farbenfrohen Edelsteinringen ihr eigenes Juwelenlabel. Im Interview spricht sie über ihre Vision, die Kraft der Steine und ihr Verständnis von Schmuck.
Foto: Assunta Waldburg

„Inspired by the Joy of Life“ – Diese Überschrift setzt Schmuckdesignerin Desiree Sielaff über alle ihre Kreationen. Kraft, Hoffnung, Zuversicht, Verbundenheit, das sind die Emotionen, die die gebürtige Münchnerin mit ihren farbenfrohen Entwürfen ausdrücken will. Ihre sportlichen und zugleich eleganten Juwelen aus Weiß-, Rosé- und Gelbgold richten sich an Frauen und Männer, die nach zeitlosen, individuellen Schmuckstücken suchen.

Im Zentrum ihrer Entwürfe stehen handverlesene Farbedelsteine, deren Aussagekraft, Fröhlichkeit und positive Energie Desiree Sielaff besonders begeistern. Der Fokus ihrer Marke Desiree Sielaff Fine Jewelry liegt auf Ringen. Sie sollen zu jeder Tages- und Jahreszeit und zu jedem Anlass getragen werden können. Dafür nutzt sie die unendlich vielen Kombinationsmöglichkeiten der Farbedelsteine, die auch nach eigenen Wünschen kraftvoll, harmonisch oder ganz diskret zusammengestellt werden können.

Ringe „Anna“ und „Isabelle“.
Ringe „Anna“ in 18 Karat Gold mit bunten Farbedelsteinen, ab 3.400 Euro.Foto: Desiree Sielaff

Substantial Times: Frau Sielaff, Sie haben in Manchester Modevertrieb studiert, waren dann mehrere Jahre in verantwortlichen Positionen bei der KaDeWe Group, bei Tamara Comolli und bei Tiffany. Statt sich in der Komfortzone einzurichten, haben Sie den mutigen Schritt gewagt, Ihr eigenes Schmucklabel Desiree Sielaff Fine Jewelry zu gründen. Was hat Sie dazu inspiriert, Schmuckdesignerin zu werden?

Desiree Sielaff: Schon als Kind war ich von Schmuck fasziniert. Meine Mutter hatte eine kleine Sammlung von Schmuckstücken, die für mich wie Schätze waren. Nach ihrem frühen Tod hat mir mein Vater einen Ring von ihr gegeben, und dieses Stück bedeutete mir unglaublich viel. Es war nicht nur ein Schmuckstück, sondern ein Symbol für Liebe, Hoffnung und Erinnerungen. Diese Emotionen wollte ich in meinen eigenen Kreationen weitergeben. Der entscheidende Moment kam, als ich während der Pandemie in einer kleinen Goldschmiede meinen ersten eigenen Ring designte. Als ich ihn in der Hand hielt, wusste ich, dass ich diesen Weg gehen muss. Schmuck ist für mich mehr als nur ein Accessoire – er erzählt Geschichten und verbindet Menschen auf eine besondere Weise.

Desiree Sielaff Fine Jewelry Ringe „Anna”, „Isabelle“, „Mathilda“ und „Valerie“.
Desiree Sielaff Fine Jewelry Ringe „Anna“, „Isabelle“, „Mathilda“ und „Valerie“. Preise: ab 3.400 Euro.Foto: Schah Photography

Hatten Sie keine Zweifel?

Ich hatte vorher über 33.000 Artikel zu verwalten, mich um den Warenein- und ausgang zu kümmern. Dann kam Corona, und ich habe mich gefragt: Will ich bis ans Ende meiner Tage hier sitzen und das machen, was ich mache, oder vielleicht doch mein eigenes Label gründen? Ich war so begeistert, ein Stück in der Hand zu haben, das nach meinen Vorstellungen designt ist. Also habe ich gekündigt, bin zurück nach Berlin gezogen und habe mich quasi auf die Reise begeben.

Ausgerechnet 2021. Wie war der Start Ihres Labels während der Pandemie?

Es war natürlich ein schwieriger Start. Alle waren verhalten und unsicher, keiner wusste, wie es weitergeht. Es ist eine enorme Herausforderung, ein kleines Label zu gründen, wenn man um sich herum die Unsicherheit spürt und die Leute ihr Geld zusammenhalten. Aber ich wollte es trotzdem wagen. Ich habe klein angefangen, mich auf die Produktion konzentriert und Feedback von Freunden eingeholt. Der Aufbau der Website und die Beschaffung von nachhaltigen Materialien waren große Herausforderungen. Jetzt habe ich einen kleinen Kundenstamm aufgebaut und arbeite ständig daran, neue Kundinnen und Kunden zu gewinnen.

Ohrringe „Cleo”.
Ohrringe „Cleo”, ab 5.600 Euro.Foto: Kosta Potezica

Wie gehen Sie bei der Beschaffung Ihrer Materialien vor?

Ich lege großen Wert darauf, dass meine Materialien ethisch und umweltfreundlich beschafft werden. Das Gold, das ich verwende, ist größtenteils Fairtrade, und meine Produktionsstätte in Pforzheim ist zertifiziert. Auch bei den Edelsteinen arbeite ich nur mit vertrauenswürdigen Händlern in Idar-Oberstein zusammen, die die Steine zertifizieren können. Für mich bedeutet Nachhaltigkeit auch, verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen und langlebige, zeitlose Designs zu schaffen, die nicht dem schnellen Modewechsel unterliegen. Es geht darum, Schmuckstücke zu kreieren, die von Generation zu Generation weitergegeben werden können und somit einen bleibenden Wert haben. Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Trend, sondern eine Verpflichtung, die ich ernst nehme.

Freunschaftsarmband mit Mandarin-Granat und Schwalbe.
Freunschaftsarmband mit Mandarin-Granat und Schwalbe, um 390 Euro.Foto: Kosta Potezica
Ring „Valerie” aus 18 Karat Gold mit drei Türkisen.
Ring „Valerie” aus 18 Karat Gold mit drei Türkisen. Preis: 5.200 Euro.Foto: Schah Photography

Woher nehmen Sie die Inspiration für ihre Schmuckstücke?

Oft lasse ich mich von den fertig geschliffenen Steinen inspirieren. Viele Designs entstehen auch im Gespräch mit Kunden. Inspiration finde ich in der Natur, der Unterwasserwelt und alten Schmuckstücken. Und natürlich auf Reisen. Das Kundenfeedback ist mir sehr wichtig, und ich höre genau hin, was sie sich wünschen. So habe ich zum Beispiel angefangen, mit größeren Steinen zu arbeiten, weil viele Kundinnen das wollten. Ich beobachte den Markt sehr genau und lasse mich von alten Schmuckstücken inspirieren.

Könnte ich auch mit einem alten Schmuckstück zu Ihnen kommen, um daraus etwas Neues machen zu lassen?

Ja, das geht. Es kommt immer auf das Stück an, besonders bei Edelsteinen, die beschädigt sein könnten. Grundsätzlich ist es aber möglich, und ich finde es sehr schön, wenn Kunden alte Familienstücke mitbringen, um daraus etwas Neues zu gestalten. Das gibt dem neuen Schmuckstück noch mehr Emotionalität.

Haben Sie ein persönliches Lieblingsstück?

Das ist der Ring „Mathilda“. Er erinnert mich an den Anfang meiner Reise und daran, wie mutig ich war, diesen Schritt zu gehen. Der Name hat keine besondere Bedeutung, ich fand ihn einfach schön. Der Ring zeigt mir jeden Tag, dass es die richtige Entscheidung war, meinen sicheren Job aufzugeben und mein eigenes Label zu gründen. Er macht mir extrem viel Freude und ist ein Symbol für den Beginn meiner Reise.

Ring „Mathilda Harmony” aus 18 Karat Gold mit einem pinken Turmalin und zwei Mandarin-Granaten.
Ring „Mathilda Harmony” aus 18 Karat Gold mit einem pinken Turmalin und zwei Mandarin-Granaten. Um 5.600 Euro.Foto: Desiree Sielaff

In alle Ihre Schmuckstücke ist eine kleine Schwalbe eingraviert. Was bedeutet das Symbol für Sie?

Die Schwalbe steht für Hoffnung, Liebe und Zuversicht. Sie erinnert mich an meine Mutter. In jedem Schmuckstück ist eine kleine Schwalbe eingraviert, die dieses Gefühl weitergeben soll. Es ist mein persönliches Symbol und soll die Trägerin oder den Träger daran erinnern, dass Schmuck etwas Emotionales und Schönes sein kann.

Ringe „Anna“ mit Diamant-Pavé und blauem Topas oder Türkis in Rosé-, Gelb- und Weißgold.
Die Schwalbe in jedem Schmuckstück von Desiree Sielaff steht als Symbol für Hoffnung, Liebe und Zuversicht. Ringe „Anna“ mit Diamant-Pavé und blauem Topas oder Türkis in Rosé-, Gelb- und Weißgold. Preise: ab 5.700 Euro.Foto: Kosta Potezica

Wo verkaufen Sie Ihren Schmuck?

Bisher vertreibe ich meinen Schmuck ausschließlich online und mache selbst kleine Events und Kooperationen. Langfristig möchte ich aber über Juweliere vertreiben und bin ständig auf der Suche nach neuen Partnern. Es macht einen enormen Unterschied, wenn man den Schmuck anfassen und anprobieren kann. Die Haptik und Qualität kann man online einfach nicht komplett vermitteln.

Was sind derzeit die größten Herausforderungen beim Aufbau Ihres Labels?

Die größte Herausforderung ist sicherlich die Sichtbarkeit. Wie schaffe ich es, dass die Menschen meinen Schmuck sehen und kaufen wollen? Der Aufbau einer Onlinepräsenz, die Beschaffung nachhaltiger Materialien und die ständige Unsicherheit sind große Hürden. Aber ich habe das Gefühl, dass sich das anfängliche Chaos langsam legt und ich auf einem guten Weg bin. Ich habe inzwischen eine kleine, aber feine Kollektion aufgebaut und arbeite ständig daran, weiter zu wachsen.

Haben Sie auch männliche Kunden?

Ja, zunehmend. In den nächsten Wochen werde ich mehrere Stücke für Männer herausbringen. Es gibt bereits Interesse und ich freue mich auf diese neue Zielgruppe. Männer tragen immer mehr Schmuck, ich möchte ihnen ebenfalls etwas Besonderes bieten.

Manschettenknöpfe „Laszlo” in 18 Karat Gold mit Peridot- und Topas-Cabochons.
Manschettenknöpfe „Laszlo” in 18 Karat Gold mit Peridot- und Topas-Cabochons. Preis: Um 4.700 Euro.Foto: Jessica Grossmann

Welche Entwicklungen prägen die Schmuckbranche besonders?

Ich sehe einen Trend hin zu nachhaltigeren und ethisch produzierten Schmuckstücken. Die Kunden legen immer mehr Wert auf Transparenz und möchten wissen, woher die Materialien kommen. Auch der Trend zu individualisiertem Schmuck, der auf die persönlichen Wünsche der Kunden eingeht, nimmt zu.

Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Labels und der Branche insgesamt?

Ich wünsche mir eine gesteigerte Wertschätzung für handgefertigten Schmuck und kleine Labels. Technologische Innovationen sollen nachhaltigere Produktionsmethoden ermöglichen. Für mein Label wünsche ich mir, dass es weiter wächst und mehr Menschen Freude an meinen Stücken haben. Es wäre schön, wenn kleine Labels eine Chance hätten, neben den großen Marken zu bestehen.

Halskette „Antonia” in 18 Karat Roségold mit pinkem Turmalin.
Halskette „Antonia” in 18 Karat Roségold mit pinkem Turmalin, um 2.000 Euro.Foto: Kosta Potezica


Was können Sie der Übermacht großer Marken entgegensetzen?

Es ist nicht einfach, sich gegen die großen Marken zu behaupten. Aber ich setze auf Qualität, Nachhaltigkeit und individuelle Designs. Meine Kunden schätzen die persönliche Note und die Geschichten hinter den Schmuckstücken. Es ist wichtig, authentisch zu bleiben und seinen eigenen Weg zu gehen.

Was sind Ihre langfristigen Ziele?

Langfristig möchte ich mein Label weiter ausbauen und mehr internationale Kunden erreichen. Ich träume davon, meine Schmuckstücke in bekannten Juweliergeschäften auf der ganzen Welt zu sehen. Es ist ein langer Weg, aber ich bin zuversichtlich, dass ich es schaffen kann.

Armspange „Theresa“ in 18 Karat Roségold mit Mandarin-Granat und Türkis.
Armspange „Theresa“ in 18 Karat Roségold mit Mandarin-Granat und Türkis, um 5.900 Euro.Foto: Kosta Potezica

Über Desiree Sielaff

Frau, lange Haare, schwarzer Pulli, gelber Blazer, auf rotem Sofa.
Desiree Sielaff gründete 2021 in Berlin ihre Schmuckmarke Desiree Sielaff Fine Jewelry.Foto: Assunta Waldburg

Desiree Sielaff, Jahrgang 1988, studierte Modevertrieb in Manchester. Ihre berufliche Laufbahn begann sie im KaDeWe im Marketing, wechselte dann in den Einkauf und arbeitete dort dreieinhalb Jahre im Bereich internationale Designer.

Anschließend zog sie an den Tegernsee und arbeitete im Bereich Retail Operations beim Schmucklabel Tamara Comolli. Ihr Wunsch, in einem großen Konzern zu arbeiten, führte sie zu Tiffany nach München, wo sie ebenfalls im Bereich Retail Operations tätig war.

Im Jahr 2021 zog sie zurück nach Berlin und gründete ihr eigenes Schmucklabel Desiree Sielaff Fine Jewelry. Ihre Stücke sind made in Pforzheim, der deutschen „Goldstadt“, produziert in einer zertifizierten Werkstatt.

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