Sonntag, 14. Juni 2026
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Historischer roter Rennwagen der Mille Miglia fährt an einem Lavendelfeld in Italien vorbei Foto: Mille Miglia Press Office
Mille Miglia 2026

Eine Idee fährt durch Italien

Nach sechs Jahren hat die Mille Miglia wieder neue Sieger. Doch die berühmteste Oldtimer-Rallye der Welt lebt nicht von Pokalen oder Platzierungen. Entlang der Strecke zeigt sich, warum eine Idee aus dem Jahr 1927 bis heute Menschen begeistert.
Foto: Mille Miglia Press Office

Nach sechs Jahren hat die Mille Miglia wieder neue Sieger. Das argentinische Ehepaar Juan und Margarita Tonconogy gewann die Ausgabe 2026 im Alfa Romeo 6C 1750 GS Spider Z von 1931 und beendete damit die beeindruckende Erfolgsserie von Andrea Vesco und Fabio Salvinelli.

Wer die berühmteste Oldtimer-Rallye der Welt allein über Sieger und Platzierungen betrachtet, verpasst allerdings ihren eigentlichen Zauber.

Historischer Sportwagen der Mille Miglia vor einer Villa in Gardone Val Trompia
Ein historischer Sportwagen passiert während der Mille Miglia eine Station in Gardone Val Trompia. Die Route führt jedes Jahr durch einige der schönsten Landschaften und Städte Italiens. Foto: Mille Miglia Press Office

Eine Geschichte von Menschen

Denn die Mille Miglia lebt von Menschen, die in keiner Ergebnisliste auftauchen.

Von den Familien, die entlang der Strecke Klappstühle aufstellen. Von Kindern, die den vorbeifahrenden Fahrzeugen zuwinken. Von Großeltern, die ihren Enkeln erklären, warum ein Alfa Romeo von 1931 noch heute Begeisterung auslösen kann.

Für wenige Tage verwandeln sich Straßen, Plätze und Ortsdurchfahrten in eine Bühne, auf der Italien seine Geschichte erzählt. Nicht als Museum, sondern als lebendige Erinnerung.

Wer die Mille Miglia besucht, stellt schnell fest: Die eigentlichen Stars sind nicht immer die Fahrer. Oft sind es die Menschen am Straßenrand.

Genau darin liegt das Geheimnis ihrer Anziehungskraft.

Gemeinsame Wertschätzung: für Dinge, die Zeit brauchen

Während viele Sportereignisse von Rekorden und Ergebnissen leben, entsteht die Magie der Mille Miglia aus etwas anderem: aus der gemeinsamen Wertschätzung für Dinge, die Zeit brauchen.

Für die Fahrzeuge gilt das ebenso wie für die Menschen, die sie am Leben halten.

Denn ein Alfa Romeo aus den frühen 1930er-Jahren fährt nicht von selbst durch Italien. Hinter jedem historischen Automobil stehen Mechaniker, Karosseriebauer, Sattler, Motorenspezialisten und Restauratoren. Oft sind es Handwerker, deren Wissen über Jahrzehnte gewachsen ist und heute kaum noch vermittelt wird.

Juan und Margarita Tonconogy sitzen in ihrem historischen Alfa Romeo während der Mille Miglia 2026
Juan und Margarita Tonconogy gewannen die Mille Miglia 2026 im Alfa Romeo 6C 1750 GS Spider Z von 1931 und beendeten damit die Erfolgsserie von Andrea Vesco und Fabio Salvinelli. Foto: Mille Miglia Press Office

Trditionen weitertragen

Sie arbeiten im Hintergrund. Ohne sie gäbe es keine perfekt laufenden Reihenmotoren, keine sorgfältig restaurierten Instrumente und keine Fahrzeuge, die nach fast einem Jahrhundert noch immer tausende Kilometer zurücklegen können.

Sie ist ein Netzwerk aus Menschen, die Tradition nicht konservieren, sondern weitertragen.

Auch deshalb wird die Veranstaltung Jahr für Jahr von Hunderttausenden begleitet. Sie kommen nicht nur wegen der Automobile. Sie kommen, weil die Mille Miglia etwas sichtbar macht, das in einer zunehmend digitalen Welt selten geworden ist: handwerkliches Können, generationsübergreifendes Wissen und die Freude an Dingen, die nicht auf Effizienz optimiert sind.

Der 100. Geburtstag schickt seine Vorboten

2027 feiert die Mille Miglia ihr hundertjähriges Bestehen. Die größere Herausforderung wird dann nicht darin bestehen, die Vergangenheit zu bewahren. Sondern ihre Bedeutung für kommende Generationen lebendig zu halten.

Eine Aufgabe, die auch Beatrice Saottini beschäftigt. Unter ihrer Führung hat sich die Mille Miglia längst von einer historischen Motorsportveranstaltung zu einer kulturellen Plattform entwickelt, die weit über die Welt klassischer Automobile hinausreicht.

„Ohne Publikum ist es keine Mille Miglia“

Beatrice Saottini brachte die Bedeutung des Publikums in diesen Tagen auf eine einfache Formel: „Senza pubblico non è Mille Miglia“ („Ohne Publikum ist es keine Mille Miglia“).

Aldo Bonomi, Laura Castelletti und Beatrice Saottini bei einer Pressekonferenz zur Mille Miglia 2026 in Brescia
Beatrice Saottini (rechts), Präsidentin von 1000 Miglia Srl, bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der Mille Miglia 2026, zusammen mit Laura Castelletti, Bürgermeisterin von Brescia, und Aldo Bonomi, Präsident der Industriellenvereinigung von Brescia Foto: Mille Miglia Press Office

Das gilt auch für die vielen Menschen hinter den Kulissen. Für die Mechaniker, Restauratoren, Organisatoren und Helfer, die dafür sorgen, dass diese außergewöhnliche Reise Jahr für Jahr stattfinden kann.

Die Sieger von 2026 werden in den Statistiken bleiben.

Wenn die Mille Miglia im kommenden Jahr ihren 100. Geburtstag feiert, werden wieder Hunderttausende an den Straßen stehen. Die Sieger werden wechseln. Die Fahrzeuge auch. Die Begeisterung entlang der Strecke bleibt.

Mehr Infos:

Mille Miglia 2026

Brescia, Start- und Zielpunkt der Mille Miglia 2026

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