Terawattstunden auf Deutschlands Fläche
Weltweit werden netto rund 32 Millionen Hektar Ackerland für den Anbau von Energiepflanzen genutzt, aus denen Ethanol und Biodiesel für den Straßenverkehr hergestellt werden. Das entspricht rund 320.000 Quadratkilometern – einer Fläche in der Größenordnung Deutschlands.
Platz ist kein knappes Gut
Würde man diese Fläche zusammenhängend denken, entspräche sie weniger als vier Prozent der Sahara.
Platz für Solarenergie ist global betrachtet kein knappes Gut. Knapp sind vielmehr stabile Netze, Investitionen, internationale Kooperation – und gesellschaftliche Akzeptanz.
Derzeit erzeugen diese Energiepflanzen rund 1.400 Terawattstunden pro Jahr in Form flüssiger Biokraftstoffe. Das deckt etwa drei bis vier Prozent des weltweiten Energiebedarfs im Straßenverkehr.
Eine Hypothese zum Nachdenken
Eine Analyse der Datenplattform Our World in Data, gestützt auf Berechnungen des Forschungsinstituts Cerulogy sowie auf Energie- und Stromdaten des Energy Institute und von Ember, stellt eine Modellrechnung an: Würde man die Fläche hypothetisch vollständig mit Photovoltaik bestücken, ergäben sich rund 32.000 Terawattstunden Strom pro Jahr.
Das entspricht etwa dem 23-fachen der heutigen Energieausbeute auf derselben Fläche. Zum Vergleich: Die weltweite Stromproduktion lag 2024 bei rund 31.000 Terawattstunden.
Eine Frage der Wirkung
Auch im Verkehr verschiebt sich die Perspektive. Der geschätzte Strombedarf, um sämtliche Pkw und Lastkraftwagen weltweit elektrisch zu betreiben, liegt bei rund 7000 Terawattstunden jährlich – weniger als einem Viertel dieses theoretischen Potenzials.
Der Unterschied erklärt sich durch Wirkungsgrade. Pflanzen wandeln weniger als ein Prozent der einfallenden Sonnenenergie in Biomasse um. Photovoltaikmodule erreichen heute 15 bis 20 Prozent. Hinzu kommt die höhere Effizienz elektrischer Antriebe gegenüber Verbrennungsmotoren.
Modellbetrachtung mit Potenzial
Die Rechnung ist eine Modellbetrachtung. Sie unterstellt weder politische Umsetzbarkeit noch eine vollständige Flächenumwidmung. Sie verdeutlicht jedoch, dass die Energiewende nicht nur eine Technologie-, sondern auch eine Flächenfrage ist.
Land ist endlich. Seine Nutzung ist eine Frage von Prioritäten.
Quelle
Die zugrunde liegende Modellrechnung basiert auf einer Analyse der Datenplattform Our World in Data (Oxford), verfasst von Hannah Ritchie und Pablo Rosado.
Die Flächen- und Biokraftstoffdaten stützen sich unter anderem auf Berechnungen der Beratungsfirma Cerulogy Ltd mit Sitz in London (Vereinigtes Königreich).
Vergleichsdaten zur globalen Stromerzeugung stammen vom Thinktank Ember (London), der internationale Strommarktdaten auswertet.