Sonntag, 12. April 2026
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Leerer Ausstellungsraum mit Holzbalken und Präsentationsflächen in der Domaine du Grand Malagny in Genthod bei Genf Foto: Franck Muller
Franck Muller Hausmesse WPHH

Off Genf: Die eigene Bühne von Franck Muller

Während sich die internationale Uhrenbranche kommende Woche bei der Watches and Wonders versammelt, lädt Franck Muller nur wenige Minuten von Genf entfernt zur eigenen Schau – einer kuratierten Markenwelt mit bewusst anderer Dramaturgie.
Foto: Franck Muller

Wenn sich in der kommenden Woche die internationale Uhrenwelt in Genf versammelt, entstehen rund um die großen Messehallen eigene Räume. Neben der stetig wachsenden Watches & Wonders hat sich über die Jahre ein Geflecht aus Präsentationen, Empfängen und markeneigenen Formaten entwickelt. Eines der konstantesten darunter ist die World Presentation of Haute Horlogerie (WPHH) von Franck Muller.

Vom 14. bis 18. April 2026 lädt die unabhängige Schweizer Manufaktur erneut nach Genthod, wenige Kilometer außerhalb von Genf. Veranstaltungsort ist die Domaine du Grand Malagny, ein historisches Anwesen aus dem 18. Jahrhundert, das die Marke 2006 erwarb und restaurierte. Die Lage ist bewusst gewählt: Nur rund zehn Minuten Fahrt trennen die Villa von der Watches & Wonders – nah genug, um die internationale Branchenpräsenz zu nutzen, und zugleich weit genug, um eine eigene Atmosphäre zu schaffen.

Komplexe Armbanduhr mit mehreren Anzeigen und Tourbillon von Franck Muller
Franck Muller, Uhrmacher und Mitgründer der Manufaktur, ist bekannt für seine Arbeit an komplexen mechanischen Komplikationen und deren Übertragung in die Armbanduhr. Foto: Franck Muller

WPHH: Eine Messe im eigenen Rhythmus

Seit 1998 dient die WPHH Franck Muller als markeneigene Bühne. Anders als auf klassischen Messen begegnen Besucher der Maison hier nicht am Messestand, sondern in einem kuratierten Umfeld aus Architektur, Landschaft und Präsentationsräumen, in denen technische Spitzenstücke und ikonische Modelle gleichermaßen ihren Platz finden. Der Zugang bleibt Fachhandel und Presse vorbehalten, doch gelegentlich finden auch geladene Gäste über autorisierte Händler den Weg nach Genthod.

Direkt neben der Domaine liegt „Watchland“, das technische Zentrum der Manufaktur, in dem Konstruktion, Fertigung und Montage unter einem Dach zusammengeführt sind. Uhrmacher, Ingenieure und Designer arbeiten hier an den komplexen Mechanismen, die Franck Muller seit den 1990er-Jahren zu einem der prägenden unabhängigen Namen der Haute Horlogerie gemacht haben.

Komplexität mit Wiedererkennungswert

Gegründet 1991 von Franck Muller und Vartan Sirmakes, steht die Manufaktur für technisch anspruchsvolle Werke und eine unverwechselbare Formensprache. Modelle wie die „Cintrée Curvex“, deren geschwungene Silhouette zu einem der prägendsten Designelemente der Marke wurde, oder die unkonventionelle „Crazy Hours“ haben Franck Muller früh als eigenständige Stimme in der Haute Horlogerie positioniert.

Komplexe Armbanduhr mit mehreren Anzeigen und Tourbillon von Franck Muller
Damenuhr „Vanguard Crazy Hours Lady” mit patentierter springender Stundenanzeige und unkonventionell angeordneten Ziffern auf einem sunburst-geprägten Zifferblatt. Foto: Franck Muller

Gleichzeitig verfolgt die Manufaktur konsequent den Anspruch, Komplikationen vollständig im eigenen Haus zu entwickeln. Ein Beispiel dafür ist das dreiachsige Tourbillon, das 2004 als Weltpremiere vorgestellt wurde und als eine der komplexeren Konstruktionen der zeitgenössischen Uhrmacherei gilt. Auch die „Aeternitas“-Reihe steht für diesen Ansatz, mechanische Grenzen auszuloten, ohne die gestalterische Eigenständigkeit aufzugeben.

Neben der technischen Seite hat sich die WPHH über die Jahre auch einen Ruf für ihre Galaabende erarbeitet, bei denen sich Branchenvertreter, Gäste und Persönlichkeiten aus Kultur und Unterhaltung in einem festlichen Rahmen begegnen. Sie sind Teil der Inszenierung, die die Veranstaltung über die reine Produktpräsentation hinaus zu einem begehrten Event macht.

Komplexe Armbanduhr mit mehreren Anzeigen und Tourbillon von Franck Muller
Das Modell „Aeternitas Mega 4” aus 1483 Einzelteilen, mit 36 Komplikationen, darunter eine Grande Sonnerie mit Westminster-Schlagwerk, Minutenrepetition und Tourbillon. Foto: Franck Muller

Ein ruhiger Satellit der Uhrenwoche

Im Kontext der Genfer Uhrenwoche versteht sich die WPHH damit weniger als ein Gegenmodell zur großen Messe denn als ein ruhiger Satellit. Während die Watches & Wonders als globaler Treffpunkt funktioniert, ermöglicht die markeneigene Veranstaltung eine andere Form der Begegnung: Gespräche ohne Zeitfenster, Präsentationen ohne Messetrubel und ein Umfeld, das stärker an Salon als an Messehalle erinnert.

Für Beobachter der Branche bleibt die WPHH ein Beispiel dafür, wie unabhängige Marken ihre Identität im Spannungsfeld großer Plattformen pflegen. Nicht als Rückzug aus dem Messegeschehen, sondern als Ergänzung – und als Entschluss, die eigene Welt im Umfeld einer globalisierten Uhrenindustrie weiterhin selbst zu erzählen: zwischen technischer Ambition und inszenierter Ruhe.

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