Donnerstag, 15. Januar 2026
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Magazin für modernes Leben
Detailansicht des Mittelgehäuses einer Rolex Armbanduhr während der Aufarbeitung an einer Polierscheibe. Foto: Rolex/Federico Berardi
Rolex Certified Pre-Owned Programm

Raum für mehrere Leben

Der Gedanke, dass eine Uhr den Besitzer wechselt, ohne ihre Integrität zu verlieren, existiert schon eine Weile. Dass sich Rolex diesem Thema erst nach sorgfältiger Abwägung, dann aber mit großer formaler Konsequenz nähert, entspricht der Marke, die nichts dem Zufall überlässt.
Foto: Rolex/Federico Berardi

Das Konzept, Uhren aus zweiter Hand in einem klar definierten, kuratierten Rahmen anzubieten, ist nicht neu. Bereits 2019 eröffnete der Traditionsjuwelier Bucherer in Genf seine erste Certified Pre-Owned (CPO) Lounge. Markenübergreifend und mit dem Anspruch, dem wachsenden Sekundärmarkt eine strukturierte Form zu geben.

2022 folgte ein entscheidender Schritt: Rolex führte mit dem Rolex Certified Pre-Owned Programm erstmals ein eigenes, markengeführtes Angebot für Armbanduhren aus Vorbesitz ein. Damit übernahm das Haus selbst die Verantwortung für Prüfung, Zertifizierung und Garantie gebrauchter Zeitmesser. Eingebettet in das bestehende Netz autorisierter Fachhändler.

Eine Rolex Oyster Perpetual Cosmograph Daytona in Gelbgold mit Lederarmband und Certified-Pre-Owned-Siegel auf hellem Untergrund.
Rolex Oyster Perpetual Cosmograph Daytona aus dem Jahr 2004: Als Certified Pre-Owned Uhr geprüft, zertifiziert und mit neuer Garantie versehen.Foto: Rolex

Hand in Hand mit dem Handel

Eine zentrale Rolle spielte dabei der langjährige Handelspartner Bucherer, der 2023 ganz in den Besitz von Rolex überging. In München eröffneten Rolex und Bucherer vor einem Jahr gemeinsam die erste Certified Pre-Owned Lounge. Der Schritt war programmatisch: Der Sekundärmarkt sollte nicht länger außerhalb der offiziellen Markenwelt stattfinden, sondern als integrierter Bestandteil des Rolex-Universums sichtbar werden.

Sitzbereich der Rolex Certified Pre-Owned Lounge bei Bucherer mit Vitrine, Sesseln und Tageslicht.
Einer der Sitzbereiche der Rolex Certified Pre-Owned Lounge bei Bucherer in München: Beratung und Auswahl finden in wohnlicher Atmosphäre statt.Foto: Bucherer

Dauer statt Eile

Rolex-Gründer Hans Wilsdorf (1881–1960) hat Uhren stets als Gebrauchsgegenstände auf Dauer verstanden. „Wir würden niemals einen einzigen Zeitmesser verkaufen, der nicht technisch einwandfrei ist und uns nicht voll und ganz zufriedenstellt“, sagte er einmal – und formulierte damit einen Anspruch, der die Marken-DNA bis heute prägt. Und der bereits Nachhaltigkeit impliziert, als Resultat von Dauer, Materialwahl und Service.

Eine goldene Rolex Oyster Perpetual mit blauem Zifferblatt und Certified-Pre-Owned-Siegel auf hellem Untergrund.
Rolex Oyster Perpetual 26 aus dem Jahr 2001 mit dem CPO-Siegel.Foto: Rolex

Wie Rolex Certified Pre-Owned funktioniert

Doch wie genau funktioniert das Rolex Certified Pre-Owned Programm? Wie gelangen die Uhren in das System? Welche Rolle spielen die Juweliergeschäfte? Wie alt sind die angebotenen Modelle, wie verbindlich Prüfprozesse und Garantien? Und worin unterscheidet sich der Kauf einer zertifizierten Rolex aus Vorbesitz vom freien Pre-Owned-Markt?

Was bedeutet „Certified Pre-Owned“ bei Rolex konkret?
Rolex Certified Pre-Owned bezeichnet Armbanduhren aus Vorbesitz, deren Echtheit von Rolex offiziell bestätigt wurde. Sie werden mit einer neuen zweijährigen internationalen Garantie verkauft und erfüllen sämtliche Qualitätskriterien der Marke. Der Käufer erwirbt damit eine gebrauchte Uhr, deren Authentizität, Funktionsfähigkeit und Servicefähigkeit eindeutig abgesichert sind.

Aufarbeitung des Mittelgehäuses einer Rolex Armbanduhr an einer Poliermaschine entsprechend der ursprünglichen Oberflächenbearbeitung.
Aufarbeitung des Mittelgehäuses: Beim Re-Polishing wird die originale Oberflächenbearbeitung der Uhr exakt rekonstruiert.Foto: Rolex/Federico Berardi

Für wen eignet sich CPO?
Das Programm richtet sich an Kundinnen und Kunden, die eine Rolex Armbanduhr aus Vorbesitz erwerben möchten, ohne auf formale Sicherheit, technische Transparenz und langfristige Servicefähigkeit zu verzichten. CPO-Uhren sind ausschließlich über offizielle Rolex-Fachhändler erhältlich. Sie werden mit einer Echtheitsbescheinigung der Marke verkauft und verfügen ab dem Verkaufsdatum über eine neue zweijährige internationale Garantie. Damit unterscheidet sich das Programm grundlegend von nicht autorisierten Angeboten, bei denen Herkunft, Zustand und spätere Wartungsmöglichkeiten häufig nur eingeschränkt nachvollziehbar sind.

Feinmontage eines mechanischen Rolex Uhrwerks mit einer Pinzette unter einem Mikroskop.
Feinarbeit am Uhrwerk: Die Montage unter Vergrößerung folgt exakt definierten technischen Vorgaben. Jede Rolex Certified Pre-Owned Uhr wird vollständig geprüft und gewartet, bevor sie erneut in den Verkauf gelangt.Foto: Rolex/Federico Berardi

Welche Schritte durchläuft eine Uhr vor dem Verkauf?
Die Uhr wird zunächst von einem offiziellen Fachhändler angekauft. Anschließend erfolgt eine vollständige Wartung durch entsprechend geschulte Uhrmacher. Danach wird sie bei Rolex selbst erneut überprüft, getestet und zertifiziert. Erst nach Abschluss dieses Prozesses erhält sie das Certified-Pre-Owned-Siegel sowie die Garantiekarte und wird zum Verkauf freigegeben. Rolex betont, dass Certified-Pre-Owned-Uhren denselben Kontrollen unterzogen werden wie neu erworbene Modelle. Entsprechend gelten sie als ebenso leistungsfähig. Bei einzelnen älteren Referenzen kann es Einschränkungen bei Wasserdichtheit oder ursprünglicher Ganggenauigkeit geben; in diesen Fällen werden die Kunden ausdrücklich darauf hingewiesen

Ein Uhrmacher überprüft die chronometrische Präzision und Leistungswerte eines Rolex Uhrwerks an einem Prüfgerät.
Prüfung der Ganggenauigkeit: Jedes Uhrwerk wird auf seine chronometrische Präzision und Leistungsfähigkeit getestet.Foto: Rolex/Matthieu Gafsou

Gibt es ein Alterslimit für Certified-Pre-Owned-Uhren?
Alle Uhren aus dem Programm sind mindestens zwei Jahre alt. Ein festes Höchstalter existiert nicht. Das Angebot reicht von vergleichsweise jungen Modellen bis hin zu deutlich älteren Referenzen, darunter auch Zeitmesser aus den 1970er- und 1980er-Jahren.

Wie wird mit Zustand und Originalität umgegangen?
Rolex prüft die Übereinstimmung aller Komponenten mit der ursprünglichen Referenz. Ziel ist es, die Originalkonfiguration zu verifizieren und die Integrität der Uhr – und damit auch ihre Geschichte – zu bewahren. Notwendige Eingriffe erfolgen ausschließlich mit originalen Ersatzteilen, die bei Rolex grundsätzlich über Jahrzehnte hinweg verfügbar gehalten oder bei Bedarf nachgefertigt werden.

Endkontrolle der Wasserdichtheit einer Rolex Armbanduhr in einer Druckkammer während des Zertifizierungsprozesses.
Prüfung der Wasserdichtheit: Jede Rolex Certified Pre-Owned Uhr wird unter Realbedingungen getestet, bevor sie erneut in den Verkauf gelangt. Hier die Endkontrolle.Foto: Rolex

Welche Bedeutung hat die zweijährige internationale Garantie?
Die Garantie ist ein zentrales Element des Programms. Sie gilt weltweit und berechtigt die Besitzerin oder den Besitzer, sich bei Bedarf an jeden autorisierten Rolex-Fachhändler zu wenden. Die Garantiekarte dient zugleich als offizielle Echtheitsbescheinigung und dokumentiert den Status der Uhr als Rolex Certified Pre-Owned.

Wie unterscheidet sich der Kauf vom freien Pre-Owned-Markt?
Der Markt für gebrauchte Uhren ist breit und unübersichtlich. Rolex Certified Pre-Owned schafft hier einen klar definierten Rahmen. Authentizität, technische Prüfung und Servicefähigkeit sind eindeutig geregelt und liegen vollständig in der Verantwortung des offiziellen Netzwerks. Dadurch lassen sich Unsicherheiten vermeiden, die bei nicht autorisierten Angeboten auftreten können – insbesondere mit Blick auf spätere Serviceeingriffe.

Sind Certified-Pre-Owned-Uhren sofort verfügbar?
Ja. Alle im Rahmen des Programms angebotenen Uhren sind grundsätzlich sofort erhältlich. Im Fall von Bucherer sowohl in den CPO-Lounges der Geschäfte als auch online. Es gibt keine Wartelisten im klassischen Sinn. In Einzelfällen können sich Kunden vormerken lassen, wenn sich eine Uhr noch im Prüf- und Zertifizierungsprozess befindet.

Eine strukturierte Ergänzung

Nach mittlerweile drei Jahren zeigt sich das CPO-Prgramm als konsequente Ergänzung zum bestehenden Angebot von Rolex. Besonders relevant ist dabei die maximale Sicherheit vor Fälschungen. Die offizielle Echtheitsbescheinigung, die neue Garantie und die vollständige Integration in das Service-Netzwerk geben Orientierung – nicht nur beim Kauf, sondern auch für das weitere Leben der Uhr. Eine Certified-Pre-Owned-Rolex kann denselben Service durchlaufen wie jedes neu beim Juwelier erworbene Modell.

Der Charme der Vorgeschichte

Neben der Sicherheit, eine von Rolex zertifizierte Pre-Owned Armbanduhr zu kaufen, eröffnet das Programm zusätzliche Möglichkeiten. Armbanduhren käuflich zu erwerben, die zum Beispiel nicht mehr im Programm geführt werden. Oder die eine emotionale Bedeutung darstellen, wie eine Uhr aus dem Geburtsjahr. Darüber hinaus werden auch neue Zielgruppen mit dem Programm angesprochen. Besonders junge Kunden lieben laut Rolex den Gedanken, dass die Uhr bereits mit einer Geschichte zu ihnen kommt.

Vitrine mit mehreren Rolex Certified Pre-Owned Armbanduhren in der Bucherer CPO Lounge.
Auswahl zertifizierter Armbanduhren aus Vorbesitz: Jede Uhr wird einzeln präsentiert und eindeutig als Certified Pre-Owned gekennzeichnet.Foto: Bucherer

Raum für mehrere Leben

Der offiziell geschaffene Raum für Uhren aus Vorbesitz ist damit kein abgeschlossener Ort, sondern ein offenes System. Uhren treten ein, werden geprüft, gewartet, weitergegeben. Nicht als nostalgische Objekte, sondern als funktionierende Zeitmesser mit Zukunft.

Vielleicht liegt genau darin die Verbindung zu einem Satz, mit dem Hans Wilsdorf früh seinen Anspruch auf Dauer und technische Redlichkeit formulierte: „Und das Ende der Geschichte? Bisher ist kein Ende in Sicht!“

Certified Pre-Owned: Wer hat‘s erfunden?

Der Begriff Certified Pre-Owned stammt ursprünglich nicht aus der Uhrenwelt, sondern aus der Automobilindustrie. Als eines der frühesten belegten Beispiele gilt ein Programm von Lexus aus dem Jahr 1993, mit dem der Hersteller gebrauchte Fahrzeuge nach festgelegten Kriterien prüfen und mit einer eigenen Garantie versehen ließ. Erst in den folgenden Jahrzehnten wurde der Ausdruck auch in anderen Branchen übernommen und als Bezeichnung für Hersteller- oder markengeführte Zertifizierungsprogramme für Produkte aus Vorbesitz etabliert.

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