Foto: Frederique Constant
„Wir wollen Marktanteile, nicht nur Applaus“
Niels Eggerding seit 2018 CEO der Schweizer Uhrenmarke Frederique Constant, formuliert Sätze, die man in dieser Branche selten hört. Keine großen Versprechen – dafür erstaunlich viel Klartext.

Substantial Times: Herr Eggerding, was hat sich bei Frederique Constant in den letzten Jahren verändert?
Niels Eggerding: Wir sind ernster geworden. Kein Startup mehr, bei dem man sich noch Dinge erlauben kann. Wir sind heute ein Unternehmen, das Strukturen und Prozesse hat, und das auf Volumen ausgerichtet ist.
Klingt nach mehr Disziplin als Glamour.
Als ich angefangen habe, war die Marke ehrlich gesagt nicht sexy genug. Sie war nicht begehrlich. Es hat der Funke gefehlt.
Was genau hat gefehlt?
Eine jüngere Zielgruppe, mehr Mut, mehr Sichtbarkeit. Deshalb haben wir stärker mit Kollaborationen gearbeitet – mit Künstlern, Uhrmachern, Partnern. Das hat uns geholfen, aus unserer Komfortzone herauszukommen.

Dann kam Covid. Und danach ein Markt, der plötzlich explodierte.
In dieser Zeit ging es nur um Luxus, exklusiv, teuer. Es war im Grunde egal, was man gemacht hat, solange es teuer war.
Und dann?
2024 war ein Einschnitt. Kein Crash, aber eine Rückkehr zur Normalität. Man kann nicht nur wachsen. Man braucht auch Phasen der Konsolidierung.
Ihre Uhren gelten als „erschwinglicher Luxus“. Wie hält man das durch?
Durch Konstruktion und Effizienz. Mehr Komponenten machen eine Uhr nicht automatisch besser, oft im Gegenteil. Mehr Teile bedeuten mehr potenzielle Probleme. Weniger Komponenten sind zuverlässiger und einfacher zu montieren.
Wie wichtig ist der deutsche Markt?
Sehr wichtig, aber auch sehr kompliziert.
Warum?
Die Deutschen, ich kann das als Niederländer sagen, sie sind ein bisschen zu konservativ. Und insgesamt habe ich das Gefühl: Der Handel schläft.
Was meinen Sie damit?
Es fehlt an Bewegung. Viele setzen nur auf Sicherheit, auf bekannte Marken. Sie schauen sich unabhängige Marken wie uns gar nicht erst an. Sie kommen nicht, sie hören nicht zu, sie bewegen sich nicht.
Ein strukturelles Problem?
Ja. Für mich ist das ein Fehler. Unternehmertum heißt auch, neugierig zu bleiben und sich Dinge anzusehen.
Ein großes Thema ist Nachhaltigkeit. Wie gehen Sie damit um?
Wir arbeiten seit fünf Jahren daran. Wir haben eine klare Roadmap und einen CSR-Bericht. Aber ich werde mein Geschäftsmodell nicht komplett wegen Nachhaltigkeit verändern.
Warum nicht?
Weil für mich etwas anderes wichtiger ist: Transparenz. Woher kommen die Materialien? Unter welchen Bedingungen wird produziert? Gibt es Kinderarbeit? Das sind die entscheidenden Fragen.
Und der Rest der Debatte?
Ich glaube, wir übertreiben es im Moment ein bisschen. Insgesamt geht die Diskussion in eine Richtung, die manchmal zu weit geht.
Wohin geht die Reise für Frederique Constant?
Ich will das Segment zwischen 1.000 und 3.000 Euro wirklich besetzen. Mit hoher Qualität, echten Komplikationen und einem starken Preis-Leistungs-Verhältnis.
Warum gerade dort?
Weil sich andere Marken nach oben bewegen. Longines zum Beispiel geht preislich nach oben. Da entsteht eine Lücke – und die wollen wir nutzen.
Zum Schluss: drei Wünsche?
Dass meine Familie gesund bleibt.
Dass mein Team gut arbeitet und wir gemeinsam erfolgreich sind.
Und: Weltfrieden.
Zur Person: Niels Eggerding
Niels Eggerding ist seit 2018 CEO von Frederique Constant. Zuvor war der Niederländer unter anderem für den Aufbau und die Entwicklung internationaler Märkte im Uhren- und Luxussegment verantwortlich, unter anderem bei Montblanc und der Swatch Group.
Eggerding gilt als Manager mit starkem Fokus auf Markenpositionierung, Vertrieb und Skalierung im mittleren Preissegment.

Die Marke: Frederique Constant
Frederique Constant wurde 1988 in Genf von Aletta und Peter Stas gegründet. Der Name der Marke geht auf die Vornamen der Urgroßeltern der Gründer zurück.
Das Unternehmen positioniert sich im Segment „Accessible Luxury“ und entwickelt mechanische Uhren mit klassischer Gestaltung sowie eigenen Manufakturkalibern. Bekannt ist Frederique Constant insbesondere für vergleichsweise preiszugängliche Komplikationen wie den ewigen Kalender oder den Tourbillon.
Gestalterisch orientiert sich die Marke an traditionellen Genfer Codes: klare Zifferblätter, klassische Proportionen und eine zurückhaltende, auf Ablesbarkeit ausgerichtete Formensprache.
Seit 2016 gehört Frederique Constant zur japanischen Citizen Group.