Foto: Super Flea Market X Porsche
Roadtrip mit gutem Stoff
Es gibt Kleidungsstücke, die man nicht wegwerfen kann. Nicht weil sie abgetragen wären, sondern weil sie zu gut sind. Ein Blazer, den Gisele Bündchen einmal auf einem Laufsteg getragen hat. Ein Hemd von Leonardo DiCaprio. Eine Handtasche, die aus dem Schrank eines Menschen kommt, den man für seine Arbeit bewundert. Solche Stücke landen nicht bei Vinted. Sie verschwinden in Abstellkammern – oder sie liefern den Stoff zu etwas Größerem.

Toni Garrn hatte die Idee 2016 in New York, als sie über ihren eigenen Kleiderschrank nachdachte. Das Modell und die Unternehmerin, aufgewachsen in Hamburg, groß geworden auf den Laufstegen dieser Welt, fragte sich, was mit den Dingen passiert, die zu schade zum Wegwerfen sind, aber zu persönlich für den Hinterhofflohmarkt. Die Antwort war ein Event, das sie schlicht Supermodel Flea Market nannte. Inzwischen heißt es Super Flea Market, hat mehr als 500.000 Dollar für gemeinnützige Projekte gesammelt, und war in London, Paris, Berlin.

Nun ist daraus eine Roadshow geworden.
Das Konzept, das Super Flea Market gemeinsam mit Porsche Deutschland entwickelt hat, nennt sich Driving Good. The Tour. Im Kern: eine Vintage-Boutique in einem Airstream. Gezogen vom neuen Cayenne Turbo Electric. Der ikonische Caravan, der mit seiner silbernen Retro-Optik seit Jahrzehnten als Symbol für Roadtrip-Kultur und mobiles Design gilt, reist derzeit von Berlin über Cannes nach Stuttgart und Hamburg. An Bord kuratierte Einzelstücke aus prominenten Kleiderschränken – von Tennisspielerin Ana Ivanović, Moderator Joko Winterscheidt, Gigi Hadid, Caro Daur und anderen. Bis zu 90 Prozent der Erlöse sollen an NGO-Partner fließen. Darunter Re:wild, die Klimaschutzorganisation, die Leonardo DiCaprio mitgegründet hat.

Den Auftakt machte vergangenes Wochenende das Berliner Formula-E-Rennen auf dem Tempelhofer Feld – einem Ort, der selbst eine Geschichte aus Wandel und Neuerfindung erzählt. Cannes folgt ab dem 16. Mai, wenn sich Film, Mode und Kulturpolitik an der Côte d'Azur versammeln.

Was an dem Projekt auffällt: Es ist kein Greenwashing-Versuch, der sich in einer Pressemitteilung erschöpft. Die Konstruktion ist durchdacht. Porsche spendet für jeden gefahrenen Kilometer der Tour an die NGO-Partner. Die Airstream-Boutique ist kein Bühnenbild, sondern ein funktionierender Laden. Und Garrn selbst, die seit Jahren mit ihrer Foundation Mädchenbildung in Uganda, Ghana, Burundi und Ruanda fördert, bringt eine Glaubwürdigkeit mit, die sich nicht kaufen lässt.
Die eigentliche Frage, die das Konzept stellt, ist eine, die im Luxusbereich selten laut ausgesprochen wird: Was verdienen Dinge jenseits ihres Preisschilds? Ein Kleid von Gigi Hadid kostet nicht deshalb mehr, weil es aus besserem Stoff ist. Es kostet mehr, weil es eine Geschichte trägt. Super Flea Market macht diese Geschichte zum eigentlichen Produkt – und leitet den Erlös weiter. Das ist, bei aller Eleganz der Inszenierung, ein radikaler Gedanke.

Zirkuläre Mode wird oft als Kompromiss verkauft: etwas weniger neu, dafür etwas besser für das Gewissen. Garrns Ansatz dreht das um. Pre-loved wird hier zur Qualitätsstufe. Das Stück, das jemand anderes bereits geliebt hat, ist das wertvollere.
Bisher hat Super Flea Market über 10.000 Besucherinnen und Besucher in vier Städten gezählt und mehr als 500.000 Dollar gesammelt. Die Roadshow mit Porsche ist ein Synergieversuch – und gleichzeitig ein Test, wie gut Luxus und Purpose auf diese Tour matchen.

Toni Garrn
Toni Garrn, geboren 1992 in Hamburg, gehört seit ihrem Runway-Debüt für Calvin Klein im Jahr 2008 zu den international bekanntesten deutschen Models. Mit 13 Jahren wurde sie während der Fußball-WM 2006 in Hamburg entdeckt, mit 15 lief sie ihre erste Show. Es folgten Kampagnen für Dior, Chanel, Louis Vuitton und Auftritte auf Vogue-Covern in mehr als einem Dutzend Ländern.
Parallel zur Modellkarriere baute Garrn eine zweite Identität auf: die der Unternehmerin und Philanthropin. 2016 gründete sie die Toni Garrn Foundation, die Mädchenbildung in Subsahara-Afrika fördert – heute aktiv in Uganda, Ghana, Burundi und Ruanda. Im selben Jahr entstand der erste Supermodel Flea Market in New York, aus dem später Super Flea Market wurde: eine internationale Plattform für zirkuläre Mode mit sozialem Impact, die bislang mehr als 500.000 Dollar für gemeinnützige Projekte gesammelt hat.

Driving Good Tour: Termine
- Berlin: 2. bis 3. Mai · Flughafen Tempelhof (Formula E)
- Cannes: 16. bis 17. Mai · Palm Beach
- Stuttgart: 21. Mai bis 3. Juni · Dorotheen Quartier
- Hamburg: 12. bis 13. Juni · Die Tagesbar

Lesen Sie hierzu auch unser Interview mit dem französischen Modehistoriker und Kurator Olivier Saillard zur Faszination für Vintage-Mode.