Samstag, 29. November 2025
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Video: Ecoalf
VIDEO DER WOCHE

Null Prozent zu Black Friday

Während die halbe Welt auf den Black Friday zusteuert, schlägt die spanische Modemarke Ecoalf einen anderen Weg ein. Ihr Angebot: 0 Prozent Rabatt. Warum, das erklärt sie in einem heute veröffentlichten Video zur Rabattschlacht des Jahres.
Video: Ecoalf


Das Video beginnt mit einer ruhigen Luftaufnahme, die sich über eine Küstenlinie bewegt, an der sich Berge aus weggeworfenen Textilien und Plastikabfällen türmen. Während die Kamera langsam über die verwickelten Massen synthetischer Stoffe gleitet, ist der Song „Wonderful World“ zu hören.

Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die an dieser Küste in Accra, der Hauptstadt Ghanas, jeden Tag versuchen, die Folgen des globalen Textilkonsums einzudämmen. Aufnahmen zeigen Helferinnen und Helfer der Or Foundation, die mit Stiefeln im Schlamm stehen, Macheten in verklumpte Stoffballen treiben oder mit Harken Müll aus den Wellen ziehen. Auf diese Weise entfernen sie mehr als 20 Tonnen Textil- und Plastikabfall pro Woche von der Küste.

Der Clip führt an einen der Orte, an denen sichtbar wird, wie und vor allem wo die Überproduktion und der schnelle Modekonsum ihre größten Spuren hinterlassen. Jede Woche erreichen rund 15 Millionen gebrauchte Kleidungsstücke den Kantamanto-Markt in Accra – den größten Secondhand-Knotenpunkt der Welt. Doch etwa 40 Prozent davon sind in so minderwertigem Zustand, dass sie weder verkauft noch recycelt werden können. Die Teile werden entsorgt, vom Regen weggespült oder treiben als verfilzte „Textile Tentacles“ an den Strand.

Nahaufnahme von Helfern am Strand, die mit Handschuhen und einer Machete verfilzte Textilabfälle aus dem Sand schneiden und lösen.
Um die verdichteten Stoffmassen aus dem Sand zu befreien, schneiden die Helfer und Helferinnen die schweren Textilklumpen mithilfe von Macheten Schicht für Schicht auseinander. Die nassen Fasern haben sich über lange Zeit an der Küste von Accra gestaut und müssen mühsam gelöst werden.Foto: Ecoalf

Javier Goyeneche: Nicht zuschauen, anpacken

Zwischen den lokalen Teams ist auch Javier Goyeneche, gebürtiger Madrilene, Gründer und Präsident von Ecoalf, zu sehen. Das Video zeigt ihn nicht als Beobachter, sondern als Teil der Arbeitsteams: mit Harke, Müllsack, Schaufel – dort, wo die Stoffmassen im Wasser festsitzen oder der Unrat am Strand zusammengetragen wird.

Goyeneches Engagement vor Ort knüpft direkt an seine Motivation an, 2009 Ecoalf zu gründen: eine Modemarke, die weniger Abfall produziert und Materialien verantwortungsvoll nutzt. Aus Frustration über die Verschwendung in der Modebranche entwickelte er eine Produktionsweise, die konsequent auf recycelte Materialien, langlebiges Design und transparente Lieferketten setzt – und damit einen Gegenentwurf zur schnellen, ressourcenintensiven Fast Fashion schafft.

Ein Mann, Javier Goyeneche, und mehrere Helfer harken am verschmutzten Strand von Accra Textilmüll aus dem Sand. Der Mann im Vordergrund arbeitet mit einer Harke und trägt ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Because there is no Planet B“.
Gemeinsam mit lokalen Teams sammelt Ecoalf-Gründer Javier Goyeneche am Strand von Accra Textilabfälle ein. Die Stoffmassen haben sich über Jahre hinweg im Sand festgesetzt und werden von Hand gelöst, sortiert und abtransportiert.Foto: Ecoalf

Ein stiller Kommentar zum Black Friday

Die Entscheidung, dieses Video zum Black Friday zu veröffentlichen, thematisiert der Film nicht. Die Marke wirbt nicht mit Rabatten, sondern mit Bildern eines Ortes, der zur letzten Station unzähliger „Schnäppchen“ geworden ist.

Dass der Song „Wonderful World” ununterbrochen weiterläuft, während Menschen schwere, schlammdurchsetzte Stoffklumpen aus dem Wasser schneiden, wirkt.

Die verdrängte Seite des Konsums

Die Kampagne greift einen zentralen Punkt auf, der sich durch das gesamte Video zieht: Kleidung, die in westlichen Ländern nur 7 bis 10 Mal getragen wird, bevor sie aussortiert wird, verschwindet nicht einfach – sie taucht an Orten wie Accra wieder auf, mit massiven Folgen für Umwelt und lokale Gemeinschaften.

Die Entscheidung, am Black Friday null Prozent Rabatt zu geben, stellen die Macher des Films nicht mit erhobenem Zeigefinger dar, sondern als visuelle Konsequenz dieser Realität: Wer die verwickelten Stoffmassen am Küstenrand des Atlantiks sieht, versteht, dass der „Preis“ für schnelle Trends woanders gezahlt wird.

Die letzte Reise führt nach Accra

Das Video dokumentiert, wie ein globales Problem auf lokaler Ebene bewältigt wird: durch Menschen, die täglich Müll bergen, der nie ihrer war.

Ecoalf und die Or Foundation richten den Blick auf diese Arbeit – und damit auf eine Seite der Modeindustrie, die die Wenigsten mit Black Friday in Verbindung bringen. Der Film macht sichtbar, was passiert, wenn Kleidung die letzte Reise antritt.

Luftaufnahme verdichteter Textilabfälle in bunten Wirbeln am Strand von Accra, darüber der Schriftzug „We Say No to Black Friday“.
Luftaufnahme der Stoffmassen an der Küste von Accra mit einer klaren Botschaft: „We Say No to Black Friday“. Foto: Ecoalf

Mehr über Ecoalf

2009 von Javier Goyeneche gegründet, produziert Ecoalf heute eine vollständig nachhaltige Lifestyle-Kollektion mit Oberbekleidung, Bademode, Freizeitbekleidung, Yoga-Bekleidung, Schuhen und Accessoires und ist weltweit in mehr als 1800 Shops erhältlich.

2018 wurde Ecoalf als erste spanische Modemarke als B Corp zertifiziert. Javier Goyeneche wurde von der Schwab Foundation als „Social Innovator of the Year” des Jahres 2020 ausgezeichnet, weil er den Wandel hin zu einer nachhaltigen Zukunft im Modehandel vorangetrieben hat. Die Schwab Foundation for Social Entrepreneurship ist die Schwesterorganisation des Weltwirtschaftsforums. Sie würdigte Ecoalf als erste Modemarke weltweit, die diese Auszeichnung erhalten hat. Im Juli 2022 wurde Ecoalf offiziell als eines der „Best for the World”-Unternehmen von B Corp anerkannt und positionierte sich damit unter den besten fünf Prozent der 5000 B Corps weltweit in der Kategorie Umwelt.

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