Montag, 23. März 2026
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Biergarten unter hohen Bäumen mit langen Tischen; Gäste sitzen im Schatten, Sonnenflecken liegen auf dem Boden. Foto: Museum Barberini, Potsdam
Max Liebermann im Museum Barberini Potsdam

Licht. Alltag. Moderne.

Max Liebermann machte das Licht zum Thema und den Alltag zum Motiv. Mit seinem frühen Blick nach Frankreich veränderte er die Malerei in Deutschland grundlegend. Und wurde zur prägenden Figur des deutschen Impressionismus.
Foto: Museum Barberini, Potsdam

Im Frühjahr 2026 widmet sich das Museum Barberini in Potsdam mit einer großen Sonderausstellung dem Werk des Malers Max Liebermann (1847–1935) und seiner bedeutenden Rolle für die Rezeption des Impressionismus in Deutschland.

Unter dem Titel „Avantgarde – Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland“ versammelt die Schau bis zum 7. Juni 2026 mehr als 100 Gemälde aus internationalen Museen und Privatsammlungen. Sie zeichnet nach, wie Liebermann – entgegen dem in der Zeit gängigen Kunstgeschmack – seit den 1870er-Jahren eine neue Bildsprache etablierte und damit die deutsche Kunst nachhaltig veränderte.

Max Liebermann setzte sich über die engen Vorstellungen der kaiserlichen Kunstpolitik hinweg und wurde um 1900 zum Vorbild für viele Künstlerinnen und Künstler in Deutschland. Früh sammelte er Werke französischer Impressionisten, die für ihn den Maßstab zeitgenössischer Kunst darstellten. Und er beriet den damaligen Direktor der Nationalgalerie in Berlin, Hugo von Tschudi, bei dessen Ankäufen in Paris.

Ölbild mit Blick aus einem blühenden Garten auf ein efeu-beranktes Haus
Im Jahr 1909 erwarb Max Liebermann ein Anwesen am Wannsee, auf dem er einen prächtigen Garten anlegte. Er hielt die unterschiedlichen Bereiche – Blumengarten, Nutzgarten, Gärtnerhäuschen, Wannseeterrasse und Birkenwäldchen – in zahlreichen Gemälden fest.
Max Liebermann, Mein Haus in Wannsee mit Garten, um 1926, Öl auf Leinwand, 70,5 × 90,2 cm, Privatsammlung.
Foto: Museum Barberini, Potsdam

Die Ausstellung ist nicht nur eine Retrospektive eines einzelnen Künstlers. Sie präsentiert vielmehr ein weit gespanntes Panorama der impressionistischen Malerei in Deutschland in der wilhelminischen Epoche: von Landschafts- und Gartenbildern über urbane Szenen bis hin zu Portraits und Stillleben. Liebermann erscheint dabei als zentrale Figur eines Netzwerks von Künstlerinnen und Künstlern, die sich von der französischen Avantgarde der Zeit inspirieren ließen und zugleich eine eigene Bildsprache entwickelten.

Max Liebermann: Alltag, Licht und Gartenbilder

Im Zentrum der Ausstellung stehen mehrere Werke von Max Liebermann, die exemplarisch für seine Themen und seine Malweise stehen. Typisch für den Künstler sind Darstellungen des bürgerlichen Alltags, gemalt mit lockerer Pinselführung und hellen Farben – ein deutlicher Bruch mit der akademischen Historienmalerei des Kaiserreichs.

Besonders präsent sind Motive aus Liebermanns Villa am Wannsee. Die Grünflächen gestaltete Liebermann akribisch selbst mit Blumen, die den Garten über weite Teile des Jahres in voller Blüte zeigten. Er legte Sichtachsen an, die den Blick entweder auf den See, auf die Villa oder auf die üppig blühenden Beete leiteten. Spazierwege und Figuren im Freien erscheinen in zahlreichen Werken und zeigen den Versuch des Malers, das wechselnde Licht und die Atmosphäre eines Sommertages einzufangen. Sein Garten wurde für Liebermann eine Quelle für Motive, ähnlich wie für den französischen Impressionisten Claude Monet der Garten in Giverny.

Geometrisch angelegte Gartenbeete mit roten Blumen, umgeben von Rasenflächen und schattigen Bäumen.
Für Liebermann bedeutete sein Garten mehr als ornamentale Blütenpracht oder Inspiration zur Malerei. Vom wachsenden Antisemitismus in Deutschland verbittert, fand der Künstler hier seit den 1920er-Jahren einen Rückzugsraum.
Max Liebermann, Die Blumenterrasse im Wannseegarten nach Süden, 1921, Öl auf Leinwand, 48,5 × 70,5 cm, Privatsammlung.
Foto: Museum Barberini, Potsdam

Die Bilder dieser Jahre thematisieren das Leben am Wochenende oder in der Stadt: Darstellungen von Menschen bei alltäglichen Tätigkeiten, Kinderportraits oder Parkszenen. Liebermanns Fokus liegt auf dem scheinbar beiläufigen Moment, der durch Farbe, Licht und Bewegung eine besondere Wirkung entfaltet.

Das Malen unter freiem Himmel löste im 19. Jahrhundert eine Bewegung gegen die akademische Kunst aus, die einer künstlerischen Selbstermächtigung gleichkam”, beschreibt Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini und Ausstellungskuratorin, den Beginn des Impressionismus. „Die eigene Beobachtung trat an die Stelle kompositorischer Schemata, die Gegenwart verdrängte tradierte Erzählungen, die Farbe entsprach der subjektiven Empfindung unmittelbarer als die gezeichnete Linie. Die impressionistische Lichtmalerei brach mit den bis dahin herrschenden ästhetischen Normen. Es entstand eine mit dem modernen Individuum in Resonanz stehende Kunst.“

Lovis Corinth: Expressive Energie des Impressionismus

Frau liegt entspannt auf einem Sofa und liest ein Buch, umgeben von hellen Farben und bewegten Pinselstrichen.
Die Gemälde von Lovis Corinth geben Einblicke in das Familienleben und feiern das Zuhause als Rückzugsort. Oft wirken die Darstellungen als Wunschbilder, die zur Identifikation einladen. Private Szenen spiegeln die Souveränität des aufstrebenden Bürgertums, das seine Erfahrungswelt für bildwürdig hielt.
Lovis Corinth, Die Lesende, 1911, Öl auf Leinwand, 45 × 70 cm, Privatsammlung.
Foto: Museum Barberini, Potsdam

Neben Liebermann zeigt die Ausstellung auch Werke des Malers Lovis Corinth (1858–1925), der zu den wichtigsten Vertretern des deutschen Impressionismus zählt. Corinths Bilder unterscheiden sich deutlich von Liebermanns eher ruhigen Kompositionen. Seine Malerei wirkt dynamischer und körperlicher: Kräftige Farben, energische Pinselstriche und oft dramatische Bildausschnitte verleihen seinen Portraits und Figurenbildern eine expressive Intensität.

In der Ausstellung wird deutlich, wie Corinth den Impressionismus mit einer subjektiven Bildsprache verband und damit bereits in Richtung Expressionismus wies.

Max Slevogt: Licht und Bewegung

Mädchen mit langem Haar sitzt auf dem Boden, umgeben von aufgeklappten Bilderbögen, und hält einen roten Ball.
Max Slevogt, Portrait Suzanne Aimée Cassirer, 1901, Öl auf Leinwand, 100 × 150 cm, Privatsammlung. Foto: Oliver Ziebe

Ein weiterer zentraler Künstler der Schau ist Max Slevogt (1868–1932). Seine Werke zeigen besonders eindrucksvoll das impressionistische Interesse an Licht und Bewegung. Slevogt malte häufig Landschaften und Szenen des modernen Lebens, etwa Theaterszenen oder Reisen. Seine Bilder zeichnen sich durch eine lebhafte Farbpalette und schnelle, offene Pinselstriche aus, die die Atmosphäre eines Augenblickes einfangen sollen. Gemeinsam mit Liebermann und Corinth bildet er das berühmte „Dreigestirn“ des deutschen Impressionismus.

Wiederentdeckte Positionen: Maria Slavona und Lesser Ury

Stillleben mit Blumen in Vasen und Früchten auf einem Tisch vor rotem Hintergrund, locker gemalt mit kräftigen Farben.
Maria Slavona, Stillleben vor rotem Hintergrund, 1911, Öl auf Leinwand, 80,5 × 100 cm, Stiftung Schlösschen im Hofgarten, Wertheim am Main. Foto: H. Hünnerkopf

Die Ausstellung beschränkt sich jedoch nicht auf Namen von Weltruf. Sie stellt auch weniger bekannte Künstlerinnen und Künstler vor, deren Beiträge zur Bewegung lange unterschätzt wurden. So sind Werke der Malerin Maria Slavona (1865–1931) zu sehen, die zwischen Deutschland und Frankreich arbeitete und die impressionistische Farbigkeit mit Einflüssen des Pariser Kunstlebens verband. Ebenso vertreten ist Lesser Ury (1861–1931), dessen atmosphärische Großstadtbilder – etwa nächtliche Straßenszenen im elektrischen Licht – eine melancholische Seite der modernen Metropole zeigen.

Nächtliche Straßenszene mit Hochbahn; Lichter spiegeln sich auf nassem Asphalt, Fahrzeuge und Figuren schemenhaft.
Lesser Ury, Hochbahnhof Bülowstraße, 1922, Öl auf Leinwand, 70 × 100,5 cm, Privatsammlung Süddeutschland.Foto: Museum Barberini, Potsdam

Ein Panorama des deutschen Impressionismus

Mit über hundert Werken aus mehr als sechzig internationalen Sammlungen gehört die Ausstellung zu den umfassendsten Präsentationen des deutschen Impressionismus der letzten Jahre. Sie zeigt, dass diese Bewegung weit mehr war als eine nationale Variante der französischen Malerei: In Deutschland verband sich der Impressionismus mit unterschiedlichen regionalen Traditionen und individuellen Stilen.

Das Museum Barberini präsentiert damit nicht nur den Maler Max Liebermann, sondern auch ein vielschichtiges Kapitel der europäischen Kunstgeschichte. Die Ausstellung macht sichtbar, wie aus einer zunächst umstrittenen Stilrichtung eine prägende Avantgarde der Moderne wurde.

Biergarten unter hohen Bäumen mit langen Tischen; Gäste sitzen im Schatten, Sonnenflecken liegen auf dem Boden.
Das Bild „De Oude Vink“ bei Leiden von Liebermann zeigt das gleichnamige Ausflugslokal am Stadtrand von Leiden in den Niederlanden. Schnelle Pinselstriche, schemenhafte Silhouetten sowie Sonnenflecken am Boden zwischen den Schatten der Bäume lassen den impressionistischen Stil des Augenblicks erkennen. Hier zeigt sich besonders gut, dass der Blick nach Frankreich für die Entwicklung des Impressionismus in Deutschland von Beginn an eine entscheidende Rolle spielte.
Max Liebermann, Biergarten „De Oude Vink“ bei Leiden, 1905, Öl auf Leinwand, 71 × 88 cm, Kunsthaus Zürich.
Foto: Museum Barberini, Potsdam

Weitere Infos:

Die Ausstellung „Avantgarde – Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland“ ist bis zum 7. Juni 2026 im Museum Barberini in Potsdam zu sehen.
Adresse: Humboldtstraße 5–6, Alter Markt, 14467 Potsdam.
Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 19 Uhr, Dienstag geschlossen.

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