Foto: Txema Yeste und Aran Martinez Solana / Carolina Herrera
Gebaut fürs Licht
Die Sonnenbrille war schon immer ein Gegenstand, an dem sich Erbe und Gegenwart begegnen. Diese Saison lässt sich das besonders deutlich ablesen.

Tradition inklusive

Cartier setzt auf den Dialog zwischen Schmuck- und Uhrmachertradition und zeitgenössischer Brillenkonstruktion. Ähnlich verfährt Etro: Das Mailänder Modehaus übersetzt seine handwerkliche Identität in markante Formen, edle Materialien und eine unverkennbar italienische Farbpalette.

Couture-Ästhetik
Carolina Herrera hingegen wählt den Sommer als Bühne – buchstäblich. Wes Gordons neueste Laufstegkollektion lieferte den Rahmen für eine Brillenpräsentation, die zwischen Haute-Couture-Ästhetik und spielerischer Leichtigkeit pendelt.

Vertraute Gesichter
Dass auch Brillen immer stärker über vertraute Gesichter erzählt werden, zeigt sich diese Saison wieder einmal deutlich. Lacoste holt Adrien Brody zurück: vierzehn Jahre nach der gemeinsamen Kampagne „Unconventional Chic" von 2012 wird der zweifache Oscar-Preisträger nun „globaler Ambassador” der Eyewear-Linie. Bei TAG Heuer hat Patrick Dempsey bereits 2025 diese Rolle übernommen: Schauspieler, Rennfahrer, Le-Mans-Finisher. Eine visuelle Klammer zwischen Le Mans 1971 und heute, zwischen Motorsport-Erbe und Präzisionsoptik.


David Beckham wählt für seine Eyewear Miami als Kulisse: Poolglanz, Palmenschatten, britische Nonchalance. Im Mittelpunkt stehen zwei bewährte Modelle, die die Marken-DNA tragen – darunter der sogenannte Talisman, ein Bügeldetail in Vogelflügelform, das jede Kollektion seit der Gründung begleitet.

Keine Brille steht in dieser Saison allein. Hinter jedem Modell steckt eine – Achtung, Buzzword – Haltung: zu Handwerk, Erbe, oder schlicht dazu, wer man sein möchte, wenn die Sonne scheint.
Materialrecherchen
Auch bei den Materialien verschiebt sich derzeit etwas, wenn auch leise. Klassisches Acetat bleibt Standard, wird aber zunehmend durch Varianten ergänzt, die stärker auf pflanzlichen Rohstoffen basieren. Bio-Acetat etwa wird aus Holz- oder Baumwollfasern sowie pflanzenbasierten Weichmachern hergestellt und kann unter industriellen Bedingungen biologisch abgebaut werden.
Ähnlich gelagert ist bio-basiertes Nylon, das aus Rizinusöl gewonnen wird und fossile Rohstoffe teilweise ersetzt, ohne die mechanischen Eigenschaften zu verändern.
Parallel dazu kommen neue Kunststoffe und Verfahren hinzu: injizierte Harze und Copolyester mit recycelten Anteilen, bio-basierte Polyamide oder 3D-gedruckte Materialien, die aus pflanzlichen Quellen stammen und vor allem den Verschnitt in der Produktion reduzieren.
Auffällig ist dabei weniger ein einzelnes „besseres“ Material als eine Entwicklung im Detail: geringerer Einsatz fossiler Bestandteile, mehr Recyclinganteile, effizientere Fertigung.