Donnerstag, 25. Juni 2026
Donnerstag, 25.06.26
Logo Substantial Times
Magazin für modernes Leben
Mercedes Gleitze während eines Schwimmversuchs im offenen Wasser Foto: Central Press/Hulton Archive/Getty Images
100 Jahre Rolex Oyster

Der Tag, an dem die Auster schwimmen lernte

Eine junge Schwimmerin, eine wasserdichte Uhr und ein Werbegeniestreich. Der Rest ist Uhrengeschichte.
Foto: Central Press/Hulton Archive/Getty Images

Im Oktober 1927 durchschwamm die 27-jährige Londoner Stenotypistin Mercedes Gleitze den Ärmelkanal. Wegen hoher Wellen musste sie kurz vor dem Ziel aufgeben, ihre Uhr aber hielt durch: nach mehr als zehn Stunden im Wasser war die „Oyster“ immer noch intakt.

Historische Daily-Mail-Anzeige für die Rolex Oyster aus dem Jahr 1927
Mit einer ganzseitigen Anzeige in der Daily Mail machte Rolex 1927 nicht nur Mercedes Gleitze, sondern auch die Oyster weltweit bekannt. Die Überschrift: „The Wonder Watch that Defies the Elements“.Foto: Rolex

Kurz darauf schaltete Hans Wilsdorf (1881–1960) in der Londoner Daily Mail eine ganzseitige Anzeige mit dem Slogan: „Die Wunderuhr, die den Elementen trotzt“. Und verhalf damit nicht nur Mercedes Gleitze zu Weltruhm, sondern auch seiner 1920 ins Handelsregister der Stadt Genf eingetragenen Marke. Der Rolex-Gründer hatte früh erkannt, dass die Zukunft der Uhr am Handgelenk liegt. Und dass sie dafür vor Staub und Feuchtigkeit geschützt werden muss.

Porträt von Hans Wilsdorf, Gründer von Rolex
Hans Wilsdorf (1881–1960) gründete Rolex und verfolgte die Vision einer präzisen, robusten und alltagstauglichen Armbanduhr. Mit der Oyster legte er 1926 den Grundstein für die bis heute wichtigste Modellfamilie der Marke.Foto: Rolex
Rolex Oyster von 1926 mit achteckigem Gehäuse und Lederarmband
Die 1926 vorgestellte Oyster setzte neue Maßstäbe für wasserdichte Armbanduhren. Verschraubte Komponenten schützten das Uhrwerk vor Wasser und Staub und machten die Uhr zu einem Meilenstein der Uhrengeschichte. Foto: Rolex
Seitenansicht einer Rolex Oyster von 1926 mit verschraubter Krone
Die verschraubte Krone gehörte zu den zentralen Merkmalen der Oyster. Gemeinsam mit dem verschraubten Gehäuseboden und der Lünette bildete sie die Grundlage für die Wasserdichtheit der Uhr.Foto: Rolex

Ein Gehäuse, das dicht hält

Der Kern der Geschichte ist unstrittig: 1926 ließ sich Rolex ein Uhrengehäuse patentieren, dessen Lünette, Boden und Aufzugskrone fest mit dem Mittelteil verschraubt sind: die erste Armbanduhr, die nach den Maßstäben ihrer Zeit zuverlässig vor Wasser und Staub geschützt war. Fünf Jahre später kam der „Perpetual“-Rotor hinzu, ein automatischer Aufzugsmechanismus, der die Uhr von der täglichen Handaufzugspflicht befreite. Aus dieser Kombination – dicht und selbstaufziehend – entstand die Oyster Perpetual, die Rolex bis heute als Grundbaustein praktisch der gesamten Kollektion bezeichnet: Submariner, GMT-Master, Cosmograph Daytona, Yacht-Master und Explorer gehen alle auf dieses Prinzip zurück.

Eine Rolex Oyster hat seitdem vielen Elementen getrotzt, vom Grund des Marianengrabens bis auf den Gipfel des Mount Everest. Die Marke scheut keinen Forschungsaufwand, um die Widerstandskraft ihrer Zeitmesser kontinuierlich zu steigern. Bis ins kleinste Detail.

Rolex Oyster Perpetual 36 mit mehrfarbigem Jubilee-Zifferblatt
Die Oyster Perpetual 36 präsentiert ein mehrfarbiges Lackzifferblatt, das mit dem Jubilee-Motiv verziert ist, bei dem die Buchstaben des Namens „Rolex“ eine Komposition bilden. Jede der zehn Farben wird einzeln im Tampondruckverfahren aufgetragen – ein langwieriger und komplexer Prozess. Foto: Rolex

Jubiläumsmodelle 2026

Hundert Jahre später feiert das Genfer Unternehmen dieses Jubiläum mit der ihm eigenen Mischung aus uhrmacherischer Detailverliebtheit und der Überzeugung, dass die Inszenierung stets der Uhr dienen sollte. Nicht umgekehrt.

Auf der Genfer Uhrenmesse Watches and Wonders im April präsentierte Rolex eine ganze Reihe neuer Modelle, die sich um die Zahl 100 drehen. Die Jubiläumsneuheiten reichen von der Oyster Perpetual über die Day-Date und die Yacht-Master II bis zur Cosmograph Daytona.

Rolex Oyster Perpetual 41 in Oystersteel und Gelbgold mit Jubiläumsdetails zum 100-jährigen Bestehen der Oyster
Die Aufzugskrone der neuen Oyster Perpetual 41 ist mit der Zahl 100 versehen, während das schieferfarbene Zifferblatt anstelle der üblichen „Swiss Made“-Markierung bei 6 Uhr die Aufschrift „100 Years“ trägt. Auch der charakteristische Grünton findet sich auf dem Zifferblatt wieder: Der Name „Rolex“ und die kleinen Quadrate rund um die Minutenskala sind in dieser Farbe aufgebracht.Foto: Rolex

Zentrales Stück der diesjährigen Kollektion ist eine Oyster Perpetual 41, die die Quintessenz einer Uhr nach Rolex-Verständnis zum Ausdruck bringt. Bei diesem Zeitmesser, der in einer gelben Rolesor-Version präsentiert wird, zeigt sich die Kombination der Metalle in einer Lünette und einer Aufzugskrone aus Gelbgold, gepaart mit einem Gehäuse und einem Armband aus Oystersteel. Diese Akzente aus Gelbgold erinnern an die Gehäuseelemente einiger früher Oyster-Uhren.

Rolex Day-Date 40 in Jubilee Gold mit grünem Aventurin-Zifferblatt
Die Day-Date 40 wird erstmals in Jubilee Gold angeboten, einer neuen, von Rolex entwickelten Goldlegierung. Das Zifferblatt besteht aus hellgrünem Aventurin, einem Naturstein aus der Quarz-Familie mit feiner Aderung und Akzenten in kräftigem Grün. Ein Stundenkreis aus zehn Diamanten im Baguetteschliff setzt zusätzliche Akzente.Foto: Rolex
Rolex Oyster Perpetual 28 in Gelbgold mit grünem Zifferblatt
Die Oyster Perpetual 28 in 28 Millimeter ist aus 18 Karat Gelbgold gefertigt und verfügt über ein grünes Steinlack-Zifferblatt. Die Indexe bei 3, 6 und 9 Uhr sind aus Naturstein gefertigt – eine Premiere für Rolex.Foto: Rolex

Erweitere Zertifizierung

Begleitet werden die neuen Uhren von einer Erweiterung der hauseigenen „Superlative Chronometer“-Zertifizierung um die Kriterien Magnetfeldresistenz, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit. Sie ergänzen die seit der Neudefinition der Zertifizierung im Jahr 2015 geprüften Eigenschaften Ganggenauigkeit, Wasserdichtheit, automatischer Aufzug und Gangreserve. Die Zertifizierung wird von unabhängigen Schweizer Stellen kontrolliert und durch das grüne Siegel der Marke symbolisiert.

Innenansicht der Wanderausstellung „Oyster Perpetual“ mit multimedialen Installationen und Ausstellungsbereichen
Mit der Wanderausstellung „Oyster Perpetual“ würdigt Rolex das 100-jährige Jubiläum der Oyster. Die multimediale Schau zeichnet die Entwicklung der wasserdichten Armbanduhr von ihren Anfängen bis zu den aktuellen Modellfamilien nach. Foto: Rolex

Eine Wanderausstellung

Zur Feier des Oyster-Geburtstags hat Rolex außerdem eine Wanderausstellung auf die Reise geschickt, die sich den Ursprüngen und der Geschichte der legendären Uhr widmet.

„Oyster Story", vom 10. bis 28. Juni im West Bund Dome in Shanghai zu sehen, erzählt, wie aus einer Intuition ein Meilenstein wurde – einer, der die Identität von Rolex bis heute prägt und die Uhrmacherei neu definiert hat. Sammlerstücke und historische Armbanduhren sind dort ebenso zu sehen wie aktuelle Modelle, legendäre Träger und immersive Installationen: ein Rundgang durch hundert Jahre Wasserdichtigkeit, erzählt aus möglichst vielen Blickwinkeln.

Die wichtigste Botschaft

Die wichtigste Botschaft zur Feier von hundert Jahren Oyster ist schließlich weniger eine einzelne technische Revolution als eine über Jahrzehnte verfeinerte Erzählung: dass Verlässlichkeit, korrekt inszeniert, zum stärksten Verkaufsargument einer Uhr werden kann. Mercedes Gleitze musste sich den Elementen kurz vor dem Ziel geschlagen geben. Ihre Oyster nicht.

envelopeexit-upcrossarrow-up